Geek and Poke beweist historische und liturgische Detailkenntnis: Der 24. Februar 1582 (damals noch der 6. März) fiel in die Fastenzeit, also ist die liturgische Farbe korrekt dargestellt (auch wenn Gregor XIII. sicher keine Messgewänder trug, wenn er sich mit einer Bulle befasste). Und auch der Bart jenes Papstes ist gut getroffen.
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Bücher schnorren
Wer Bücher sein eigen nennt, kennt das Problem: Wohin mit dem Überfluss? Wie Platz schaffen im Regal? Was geschieht mit aussortierten Büchern?
Einige Zeit habe ich es mit Amazon versucht. Der dortige Gebrauchtbüchermarkt ist sehr groß. Doch ist das Angebot größer als die Nachfrage. Viele Bücher sind für den Spottpreis von einem Cent zu haben. Amazon schlägt drei Euro Versandkosten auf den vom Verkäufer gesetzten Preis auf. Der minimale Endpreis ist daher 3,01 Euro, und damit scheint noch eine Marge möglich zu sein. Anders lässt sich die Schwemme an Billigstbüchern bei Amazon nicht erklären.
Wie auch immer. Mit einem relativ großen Buchangebot lässt sich über Amazon das eine oder andere Buch verkaufen. Für den Normalverkäufer ist es allerdings relativ mühsam, ein solch großes Angebot zu pflegen, da jedes Buch über ein mehrstufiges Formular erfasst werden muss. Und für alle unverkauften Bücher beginnt das Spiel nach geraumer Zeit von vorn. Aufwand und Ertrag stehen in keinem gesunden Verhältnis.
In der vergangenen Woche habe ich mit BookMooch eine neue, vielversprechende Möglichkeit entdeckt, mich vom Buchüberschuss zu trennen. BookMooch ist eine Büchertauschbörse, auf der nicht direkt, sondern indirekt getauscht wird. Jedes Mitglied hat ein Punktekonto. Für jedes verschickte Buch gibt es eine Gutschrift, jedes angeforderte Buch kostet Punkte.
Mit Hilfe der ISBN lassen sich die meisten Bücher sehr schnell und einfach erfassen. So habe ich 85 Bücher aufgelistet, von denen meine Frau sich trennen möchte. Meine abgelegten Bücher werden noch folgen. Das erste Buch ging sofort weg, sodass derzeit noch 84 vorhanden sind. Außerdem habe ich meine Amazon-Wunschliste importiert, die eher eine Merkliste ist. Das ging fix.
Nach einigem Stöbern bei BookMooch ist meine dortige Wunschliste inzwischen noch deutlich angewachsen. Und die ersten Bücher habe ich bereits geschnorrt angefordert.
Die Mehrzahl der Mitglieder kommt aus den USA, in Deutschland gibt es bis jetzt erst 183 Mitglieder. Vom Bücherangebot sollte also nicht übermäßig viel erwartet werden, aber interessante Gebrauchtbücher dürften wohl schnell geschnorrt werden. Und so wieder Platz im Bücherregal schaffen.
Schützenfest und Glaubenszeugnis
Anstatt die heutigen liturgischen Missgriffe meines Ortsordinarius zu Protokoll zu geben (nun ja, nur die bis jetzt hier unerwähnten: die Ministranten trugen rot, der Pfarrer nur eine grüne Stola über der Albe, häßliche Keramikschalen und dazu passender Kelch, ohne Kelchvelum, und vieles andere mehr), notiere ich lieber, wie das hiesige Schützenfest sich zur Kirche verhält, nämlich gar nicht bis destruktiv.
In katholischen Gegenden mag eine Sonntagsmesse im Festzelt zu den ortsüblichen Sitten und Gebräuchen eines Schützenfestes zählen. Zeltmessen als solche sind auch nicht ohne Probleme, aber darum soll es hier nicht gehen. Hier in der Diaspora und dem ehemals protestantischen Alten Land ist das anders. Es gibt keinen evangelischen Gottesdienst. Statt dessen findet am Sonntagvormittag das Königsfrühstück und damit einer der Höhepunkte des Schützenfestes statt.
Für den Christen wäre dies die Gelegenheit zum Glaubenszeugnis durch demonstratives Fernbleiben und ebensolchen Gottesdienstbesuch. Allerdings nicht im Ort selbst. Hier wird erst nächste Woche wieder evangelischer Gottesdienst gehalten.
Nachtrag: Das Schützenfrühstück begann, wie ich gestern erfahren habe, erst um 12 Uhr. Also keine Terminkollision.
Breviarium vel Diurnale?
Seit dem vergangenen Jahr bete ich die Liturgia Horarum. Seit geraumer Zeit nun überlege ich, zum Breviarium Romanum (oder Monasticum) zu wechseln.
In Frage kommt die Dessain-Ausgabe von 1962, zu haben bei Aquinas and More für 200 Dollar plus Versand. Ist diese Ausgabe empfehlenswert? Welche Alternativen gibt es (und vor allem wo)?
Günstiger im Preis – nur 75 Dollar – und womöglich für meinen Gebrauch ausreichend könnte auch das ebenfalls dort zu habende Diurnale Romanum sein. Beides sind Nachdrucke aus dem Hause Preserving Christian Publications.
Ein Breviarium Monasticum konnte ich bislang nicht finden.
Dawkins widerlegt
Richard Dawkins, jüngst hier recht knapp abgefertigt, hat übrigens von Alister McGrath eine ausführlichere Würdigung Widerlegungerfahren. Siehe dazu diese FAZ-Rezension.
Liturgische Fehlleistungen
Die liturgischen Fehlleistungen meines Ortspfarrers sind hier gelegentlich gewürdigt worden. Dass anderswo im Bistum Ähnliches geschieht, konnte ich in den letzten Monaten selbst beobachten. Einige Beispiele.
In der Nachbargemeinde in B. bemüht sich der neue Dechant redlich um eine würdige Messfeier. Ihm macht das liturgische Erbe seines langjährigen Vorgängers sichtlich zu schaffen. So stehen ihm vier Damen unterschiedlichen Alters in weißen, messgewandähnlichen Phantasiekleidern zur Seite, deren Aufgabe darin besteht, in jeder Messe die Kommunion in beiden Gestalten zu reichen.
Der Vorgänger, zu dessen Errungenschaften auch eine gemeinsame Fronleichnamsprozession von katholischen und evangelischen Christen gehört, ist inzwischen nach C. versetzt worden, wo eine weitere Gemeinde seiner Reformbestrebungen teilhaftig wird. Als er noch in B. tätig war, bekam ein damaliger Kaplan nach einer Vertretung zu hören, es sei ja auch mal wieder ganz schön gewesen, eine Messe im alten Ritus zu erleben. Er hatte nichts anderes getan als nach dem Messbuch zu zelebrieren. Dem von 1970.
In meiner alten Heimatgemeinde in D. hat der dort seit 21 Jahren amtierende Propst, inzwischen Domkapitular, die Rationalisierung der Messe zur Perfektion getrieben. Ein einstrophiges (mehr Strophen werden bei ihm nur selten gesungen) Eingangslied, in dem das Wort Kyrieleis vorkommt, ersetzt ihm Kyrie und Schuldbekenntnis. Dafür ersetzt er Tages-, Gaben- und Schlussgebet gern durch eigene Kreationen, leitet die Lesungen durch kurze Erklärungen ein und wünscht am Schluss einen schönen Sonntag, was die Gemeinde mit „Danke, gleichfalls!“ beantwortet.
Der Pfarrer von Bad S. lässt die Schlussdoxologie durch die gesamte Gemeinde vortragen, betet das Gebet des Herrn händchenhaltend mit Kommunionhelfern und Messdienern und verzichtet auf den Embolismus.
Die Erstkommunion in G. wird zur einer Leistungsschau aller Beteiligten. Im Altarraum steht ein großer Leuchtturm („Jesus, unser Leuchtturm“), vor der Messe werden maritime Geräusche eingespielt und statt der Lesungen ein Text vorgetragen. Auch hier frei erfundene Orationen.
Eine Heilige Messe, wie sie im Buche steht, ist offensichtlich zur Seltenheit geworden. Irgendwas ist immer. Und sei es nur, dass irgendjemand die große Bühne für seine eigenen, womöglich noch guten Zwecke nutzt.
Questioning Dawkins‘ Intelligence
Ein Dialog, vor zwei Tagen auf Twitter geführt:
Richard Dawkins: „If God designed everything, who designed God then?“
Questions like that make me question Dawkins‘ intelligence.
Why?
Dawkins obviously has no proper definition of the term he uses. God usually is defined as creator (not designer) and as eternal. And „eternal“ of course implies „not created“. So his question doesn’t make sense at all. It’s a soundbite, nothing more.
I guess Dawkins says: Explaining a complex world by introducing an even more complex being that created everything is not a solution.
Maybe. But that would be another topic and is quite common sense since Hugo Grotius (etsi deus non daretur).
Zwei Nachbemerkungen:
- Richard Dawkins argumentiert im Wesentlichen gegen die Idee des Intelligent Design. Seine Argumentation scheint jedoch nicht viel zu taugen. Ihr fehlt es an theologischer Tiefe, um nicht zu sagen, sie ist reichlich oberflächlich.
- Hugo Grotius, auf den der Satz etsi deus non daretur zurückgeht, hat für ein Naturrecht unter dieser Prämisse plädiert, für ein Naturrecht also, das auch dann Bestand haben würde, sofern es Gott nicht gäbe. Der methodische Atheismus der modernen Naturwissenschaften ist zwar ein benachbartes Thema, aber davon zu unterscheiden.
Gewichtiger Grund
Ist fortgesetzter und daher absehbarer liturgischer Missbrauch seitens des Ortspfarrers ein gewichtiger Grund, der das Fernbleiben von der sonntäglichen Messfeier und damit das Versäumen der Sonntagspflicht entschuldigt?
Wahre Freiheit
Das Bundesverfassungsgericht hat in dieser Woche über Ausnahmen vom Rauchverbot in Gaststätten entschieden. Richtig so. Im Geiste dieser wegweisenden Entscheidung schlage ich vor, als nächstes dem staatlichen Kinderkrippenwesen die Grundlage zu entziehen. Auch hier greift der Staat weiter in den persönlichen Bereich ein als wünschenswert.
Meint übrigens auch Volker Kauder. Sich um sich selbst zu kümmern, das sei nicht nur Bürde, sondern auch Freiheit, zitiert ihn die Zeit. Doch Freiheit ist in Deutschland ein schwieriges Thema, wie Alan Posener treffend feststellt:
Dass die wahre Freiheit nicht Hemmungslosigkeit sei, sondern bedeuten könnte, sich freiwillig einem durchaus strengen sittlichen Regiment unterzuordnen, erkannte zuerst Paulus; dieser Gedanke ist auch der Kern des Protestantismus. Aber schon Martin Luther hielt das nicht durch und erklärte die „Freiheit eines Christenmenschen“ (sprich: eines Deutschen) zur Freiheit, sich seinem Fürsten zu unterwerfen, was etwas völlig Anderes ist.
Auch außen ist es manchmal kritisch
Man kann wahrlich nicht sagen, die Mönche von Mariawald (jüngst Aufenthalt des Dilettanten) wüssten die heutigen Kommunikationsmittel nicht sachgerecht einzusetzen. Ihre Klostermauer bröckelt, und deshalb bitten sie um Spenden. Das ganze Ausmaß des Schadens verdeutlicht obiges Video.
