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Die Kirche hat eine Bestandsgarantie

Tu es Petrus
et super hanc petram ædificabo ecclesiam meam
et portæ inferi non prævalebunt adversus eam.

Ein großartiges Versprechen stellt uns das heutige Sonntagsevangelium vor Augen. Die Kirche hat eine Bestandsgarantie von höchster Stelle. Wenn wir uns also, berechtigt oder unberechtigt, um die Kirche sorgen, dann können wir sicher sein, dass sie nicht untergehen wird.

Allerdings gilt das nicht für einzelne Gemeinden oder Bistümer. Gemeinden entstehen und vergehen, auch ganze Bistümer werden gegründet und wieder aufgehoben. Heutzutage geschieht das vor allem, wenn der Nachwuchs ausbleibt, wenn Gemeinden und Bistümer schrumpfen und vergreisen, wenn die Berufungen zum Priester- und Ordensleben ausbleiben (oder überhört werden).

Es ist nicht ohne Ironie, dass die Kirche dort am schnellsten und heftigsten schrumpft und vergreist, wo sie sich am weitesten vom rechten Glauben entfernt. Die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen, aber wo die Kirche kleingläubig wird, da verschwindet sie.

Der liberale Normalbürger als Maß aller Dinge

Der gestern bereits erwähnte FAZ-Kommentar von Peter Lückemeier zur Absetzung des Wetzlarer Dekans ist zwar kein besonders intelligentes Stück Zeitungsprosa. Dennoch will ich mir die Mühe einer Replik machen.

Wahrscheinlich ist der am Niederrhein erzkatholisch sozialisierte neue Bischof von Limburg sich nicht im Klaren darüber, wie abstoßend, mitleidslos, realitätsfern seine Maßregelung des Wetzlarer Dekans aufs großstädtische Publikum wirken muss.

Wahrscheinlich ist er sich sehr wohl im Klaren darüber, wie wenig sich ein großstädtisches Publikum um Gott, Glaube, Kirche und Bischof schert. Und wie es höchstens dann Notiz nimmt, wenn es Widerspruch vernimmt.

Homosexuelle Lebenspartnerschaften werden in Frankfurt, Darmstadt oder Wiesbaden anders bewertet als im Westerwald.

Tatsächlich? Ich fürchte, das war einmal.

Der liberale Normalbürger wird sich sagen: Du liebe Güte, da lebt ein homosexuelles Paar seit langem zusammen, besiegelt diesen Bund vor dem Standesamt für immer und erbittet dazu göttlichen Segen – warum sollte die Kirche solch einen Akt des Wohlwollens verweigern?

Seit wann ist der liberale Normalbürger das Maß kirchlicher Dinge? Viel zu oft ist er es, aber er sollte es definitiv nicht sein. Dass homosexuelle Paare vor das Standesamt treten und dort eine Heirat simulieren können, mag zwar dem Normalbürger normal erscheinen. Aber gut und richtig ist es deshalb noch lange nicht.

Doch Bischof Tebartz-van Elst sieht die Sache anders, und zum größten Teil muss er sie so sehen, auch sein Vorgänger Franz Kamphaus hätte kaum anders handeln können. Denn Ehe und Familie stehen nicht nur laut Grundgesetz unter besonderem Schutz des Staates, die katholische Ehe zwischen Mann und Frau ist sogar ein Sakrament, allerdings gespendet von den beiden Beteiligten.

Korrekt.

In diesem Lichte kann es nicht angehen, dass die Ehe, die nach kirchlicher Sicht dem Zwecke dient, Kinder zu zeugen, gleichrangig mit einer homosexuellen Partnerschaft behandelt wird.

Der Hauptsatz ist korrekt, der die Ehe erläuternde Relativsatz ist mindestens verkürzt. Die Ehe dient nicht allein dem Zwecke, Kinder zu zeugen.

Überdies hat der Bischof in der Bestrafung des bisherigen Dekans die mildeste Form gewählt, die ihm zur Verfügung stand, denn der Wetzlarer Priester bleibt im Amt, wird weder abgesetzt noch versetzt.

Das ist richtig und ein Zeichen bischöflicher Klugheit.

Das eigentliche Problem aber bleibt ungelöst. Es lautet: Wie soll die Kirche, Repräsentant eines liebenden Gottes, mit Homosexuellen umgehen, zumal mit homosexuellen Gläubigen? Die offizielle Linie der römischen Glaubenskongregation, Homosexualität an sich sei keine Sünde, nur ihre Ausübung sei es, muss als haarspalterischer Theologismus verstanden werden.

Nur für den, der sich weder mit Theologie noch mit Moral beschäftigen möchte. Den Sünder lieben, die Sünde hassen. Das ist wirklich keine Neuigkeit.

Die katholische Kirche täte gut daran, für seriöse dauerhafte gleichgeschlechtliche Partnerschaften, die sich nicht nur die Billigung des Staates, sondern auch die Sympathie ihrer Kirche wünschen, einen Akt, eine symbolische kirchliche Handlung oder eine Feier auszudenken.

Wohl kaum. Die Sympathie der Kirche wird ein wenig frommer Wunsch bleiben.

Dass Gott die Qualität eines Menschen nach dessen sexuellen Präferenzen beurteilen könnte, muss als unwahrscheinlich gelten.

Diesen sinnlosen Satz hätte der Schlussredakteur besser gestrichen.

Und damit soll es dann auch gut sein. Ab morgen wieder andere Themen.

Ökumenisches Simultandesaster

Relativ ruhig, sachlich und unaufgeregt, so scheint es, wird die Absetzung des Wetzlarer Dekans aufgenommen. Die FAZ berichtet nun einige interessante Fakten.

So ist der Wetzlarer Dom eine Simultankirche mit einer katholischen und einer evangelischen Gemeinde. Geistliche beider Konfessionen haben an der Segnung mitgewirkt. Jürgen Erbach, einer der beiden Partner, für die die Zeremonie gestaltet worden war, Professor für Immobilienmanagement, sagte laut FAZ, dass es auch in der evangelischen Gemeinde Bedenken hinsichtlich der Feier für ihn und seinen Partner Kristof Heil gegeben habe.

Deshalb habe man sich für den evangelischen Part darauf verständigt, dass ein Gastpfarrer die Zeremonie im Gotteshaus mitgestaltet und auch nicht im Talar auftritt. Der katholische Pfarrer Kollas, der als Vertreter von Erbachs Partner an der ökumenischen Zeremonie teilnahm, hatte seine Segensworte indes im Talar gesprochen.

Im Talar? Also einem schwarzen liturgischen Untergewand mit Rochett? Und Stola? Oder wie?

Erbach sagte im Gespräch weiter, er und sein Partner hätten die Nachricht vom Vorgehen des Bischofs „mit Bestürzung“ zur Kenntnis genommen. Hätten er und sein Partner die Konsequenz für Kollas vorhersehen können, „hätten wir auf die Zeremonie in dieser Form verzichtet“, erklärte Erbach. Man habe Kollas keinen Schaden zufügen wollen.

Hat man nun aber. Und der dem Limburger Bischof wenig freundlich gesinnte Kommentar von Peter Lückemeier weist immerhin darauf hin, dass der Bischof

in der Bestrafung des bisherigen Dekans die mildeste Form gewählt hat, die ihm zur Verfügung stand, denn der Wetzlarer Priester bleibt im Amt, wird weder abgesetzt noch versetzt.

Obwohl Ab- oder Versetzung, wenn das Vertrauensverhältnis tatsächlich zerstört sein sollte, wohl nicht unangebracht wäre.

Zum Einspruch verpflichtet

Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat dem Wetzlarer Bezirksdekan Peter Kollas sein Amt entzogen, nachdem dieser im Wetzlarer Dom zwei Homosexuelle gesegnet hatte, die zuvor ihre Partnerschaft hatten amtlich eintragen lassen (was vulgo heute als Hochzeit gilt). Dies berichtet die FAZ auf Basis einer Pressemitteilung des Bistums, die deutliche Worte findet:

Nach der Lehre der katholischen Kirche sind alle Gläubigen verpflichtet, gegen die rechtliche Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften Einspruch zu erheben. Aus diesem Grund ist es in katholischen Kirchen unmöglich, eingetragene Lebenspartnerschaften zu segnen. Es gibt nach Angaben des Bistums „keinerlei Fundament dafür, zwischen den homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinn.“

Der Limburger Bischof wird sich damit in weiten Teilen der (ver)öffentlich(t)en Meinung keine Freunde machen. Doch wo er Recht hat, hat er Recht.

Sehr schön übrigens ein Satz bei Focus online:

Die Segnung löste auch unter Proteststanten empörte Proteste aus.

Was sollen sie sonst auch machen, die Protestanten, außer protestieren? Ein Kalauer, ich weiß. Den Tippfehler übersehe ich mal.

Believing the incredible

The Christian virtues of faith, hope, and charity are in their essence as unreasonable as they can be. As the word „unreasonable“ is open to misunderstanding, the matter may be more accurately put by saying that each one of these Christian or mystical virtues involves a paradox in its own nature, and that this is not true of any of the typically pagan or rationalist virtues. Justice consists in finding out a certain thing due to a certain man and giving it to him. Temperance consists in finding out the proper limit of a particular indulgence and adhering to that. But charity means pardoning what is unpardonable, or it is no virtue at all. Hope means hoping when things are hopeless, or it is no virtue at all. And faith means believing the incredible, or it is no virtue at all.
G.K. Chesterton, Heretics

Hölzerne Hochzeit

Herz und Zehn

Vorgestern waren genau zehn Jahre vergangen, seitdem wir vor den Standesbeamten traten. Vor den Altar haben wir es dann erst vor vier Jahren geschafft.

In unserer Region wird nach zehn Jahren die Hölzerne Hochzeit gefeiert. Gestern kamen liebe Freunde und Nachbarn, um unseren Garten zu schmücken und mit uns ein Glas zu erheben.