Der neue Schirrmacher

Mit einer Spiegel-Titelgeschichte beginnt heute die Vermarktung des neuen Buches aus der Feder von Frank Schirrmacher. Schon jetzt ist klar, dass er erhebliche Prügel für die Wahrheiten beziehen wird, die er mit wünschenswerter Schärfe und Klarheit ausspricht. Dazu reicht ein Blick in die Zeit der vergangenen Woche.

Für jetzt nur ein Auszug aus dem Spiegel-InterviewGespräch [kostet]:

Schirrmacher: Wir haben 20 Jahre versiebt. Wo ist denn das Kapital geblieben, das wir dadurch gespart haben, dass weniger Kinder auf die Welt kamen? Es wurde in mehr Urlaub investiert, in die Verringerung der Arbeitszeit, in den Konsum.

SPIEGEL: Es war der Weg in die Ich-Gesellschaft. Der Siegertyp ist einer, der nicht teilt. Wer abgibt, ist blöde.

Schirrmacher: Ja, und diese Botschaft ist das verheerendste Signal: Menschen sind bereit, Opfer zu bringen, aber sie sind nicht bereit, dann auch noch für objektiv blöd gehalten zu werden. Die Kinder von heute werden diejenigen, die später von ihnen leben wollen, vermutlich zur Kasse bitten. Wir haben mit einer der Urverfassungen der menschlichen Natur herumgespielt und aus dem Kinderkriegen, das eigentlich eine tiefgreifende, elementare, menschliche und ganz individuelle Frage ist, eine ökonomisch und lebenspraktische Vorteilsabwägung gemacht.

[…]

Schirrmacher: Dass Menschen immer Kinder kriegen – darauf ist ja unser Sozialstaat aufgebaut -, ist, wie sich gezeigt hat, nur so lange Naturgesetz, wie die Zahl der Kinder, Geschwister, Cousins und Cousinen, gleichaltrigen Freunde und Freundinnen im Verlauf der Sozialisation des Kindes nicht unter ein bestimmtes Minimum sinkt. Das aber ist jetzt geschehen. In Regionen mit wenigen Kindern bekommen auch diese Kinder wiederum weniger Kinder. Das ist ein staunenswerter Vorgang, der womöglich sogar einer biologischen Umprogrammierung entspricht.

SPIEGEL: Wir haben eine Art Mutation erlebt?

Schirrmacher: Wir haben jetzt ein völlig neues Programm im Kopf, das wir weitergeben, und das heißt: Weniger Kinder! Es handelt sich in dieser zweiten Generation also gar nicht mehr um eine Wertefrage. Es ist etwas verlernt worden. Das hat Folgen. Wir lasten diesen wenigen nicht nur unsere Schulden auf, wir lassen sie auch verwandtschaftlich allein, sie haben immer weniger Geschwister und Cousins, um sich die Lasten zu teilen. Sie werden mit einer alternden Gesellschaft mit vielen Menschen konfrontiert sein, die nie Kinder geboren haben und plötzlich Hilfe brauchen. Sie werden Schulden übernehmen müssen, die sie nicht gemacht haben, materieller und emotionaler Art. Sie und nicht die heute 45-Jährigen werden die wahre Sandwich-Generation sein: als Eltern, als wenige zuständig für die vielen Alten. Mindestens 40 Lebensjahre, die sie sich Abhängigen zu widmen haben. Erst ihren eigenen Kinder, dann ihren Eltern. Woher soll eigentlich der Altruismus kommen, der dafür nötig ist? Vor allem, da der nächste Verwandte dieser Kinder 30 Jahre älter sein wird.

Frank Schirrmacher: Minimum. Vom Vergehen und Neuentstehen unserer Gemeinschaft. Gebundenes Buch, 192 Seiten, 16,00 EUR.

Dictionary of Gnosis & Western Esotericism

Ein Muss für jeden, der nicht auf neognostische Umtriebe hereinfallen möchte:

Dictionary of Gnosis & Western Esotericism
Edited by Wouter J. Hanegraaff, in collaboration with Antoine Faivre, Roelof van den Broek and Jean-Pierre Brach

  • In print, 2005
  • ISBN 90 04 14187 1
  • Cloth with dustjacket (xxx, 1228 pp., 2 vols)

This is the first comprehensive reference work to cover the entire domain of “Gnosis and Western Esotericism” from the period of Late Antiquity to the present. Containing around 400 articles by over 180 international specialists, it provides critical overviews discussing the nature and historical development of all its important currents and manifestations, from Gnosticism and Hermetism to Astrology, Alchemy and Magic, from the Hermetic Tradition of the Renaissance to Rosicrucianism and Christian Theosophy, and from Freemasonry and Illuminism to 19th-century Occultism and the contemporary New Age movement. Furthermore it contains articles about the life and work of all the major personalities in the history of Gnosis and Western Esotericism, discussing their ideas, significance, and historical influence. Also available soon in unabridged one volume edition. [Brill Academic Publishers]

Leider nicht ganz billig. Besprechung heute in der FAZ. [Perlentaucher]

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Invocábit

Invocábit me, et ego exáudiam eum: erípiam eum, et glorificábo eum: longitúdine diérum adimplébo eum.
Qui hábitat in adjutório Altíssimi, in protectióne Dei cœli commorábitur.
Introitus, Dominica Prima in Quadragesima

Qui regnum Dei annuntiavit

Et statim Spiritus expellit eum in desertum.
Et erat in deserto quadraginta diebus et tentabatur a Satana; eratque cum bestiis, et angeli ministrabant illi.
Postquam autem traditus est Ioannes, venit Iesus in Galilaeam praedicans evangelium Dei
et dicens: “Impletum est tempus, et appropinquavit regnum Dei; paenitemini et credite evangelio”.
Mc 1,12-15

Was ist Rente?

Die Renten stagnieren. Ob bis 2008 oder bis 2016, weiß keiner so genau. Jener Teil des Generationenvertrages, der den Rentnern stetig steigende Bezüge verhieß, scheint nicht mehr zu gelten. Warum?

Den Blick auf die Gründe verstellt eine mit höchstrichterlichem Segen abgesicherte Fiktion, die mit der Rentenrealität nicht viel zu tun hat. Demnach sind Renten Lohn für Lebensleistung, auf den durch Zahlung von Rentenbeiträgen ein Eigentumsanspruch erworben wird.

Wenn das stimmen würde, hätte es weder die Adenauersche Rentenreform noch die Renten für frühere DDR-Bürger geben dürfen. Und auch keine Rentenaufschläge für Kindererziehung. Denn in allen drei Fällen werden Renten gezahlt, ohne dass dafür hinreichend Beiträge gezahlt worden wären.

In Wirklichkeit zahlt die jeweils aktiv im Erwerbsleben stehende Generation mit den Rentenbeiträgen nur ihre Schulden gegenüber der Elterngeneration zurück. Die hat nämlich mit Mühsal und Kosten jene Kinder aufgezogen, die nun das erwirtschaften, von dem die Rentner leben müssen.

Aber warum bekommen dann Kinderlose überhaupt Rente? Dafür gibt es letztlich keine plausible Erklärung, und deshalb gehören Renten für Kinderlose abgeschafft oder mindestens drastisch gekürzt. Wer keine Kinder hat, hat genug freie Mittel, um problemlos zusätzlich zu den Rentenbeiträgen (die ja, wir erinnern uns, nur eine Hypothek gegenüber der Elterngeneration abtragen) eine eigene Altersversorgung aufzubauen.

Wie man es auch dreht und wendet: Seit 35 Jahren ist die Geburtenrate unter das notwendige Minimum gesunken. Und inzwischen geht die erste Generation in Rente, die sich nicht mehr reproduziert hat. Kein Wunder, dass die Renten stagnieren. Die Erwerbstätigen, die für höhere Renten Beiträge zahlen müssten, wurden nie geboren.

Insofern führt auch mein Vorschlag, die Rentenbeiträge nach der Zahl der Kinder zu staffeln, in die Irre. Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Rentenkürzungen für Kinderlose, schrittweise von oben nach unten eingeführt, damit die Beiträge sinken können und die Umverteilung von Familien zu Kinderlosen über das Rentensystem aufhört.

Bußtage

  • Can. 1249 — Alle Gläubigen sind, jeder auf seine Weise, aufgrund göttlichen Gesetzes gehalten, Buße zu tun; damit sich aber alle durch eine bestimmte gemeinsame Beachtung der Buße miteinander verbinden, werden Bußtage vorgeschrieben, an welchen die Gläubigen sich in besonderer Weise dem Gebet widmen, Werke der Frömmigkeit und der Caritas verrichten, sich selbst verleugnen, indem sie die ihnen eigenen Pflichten getreuer erfüllen und nach Maßgabe der folgenden Canones besonders Fasten und Abstinenz halten.
  • Can. 1250 — Bußtage und Bußzeiten für die ganze Kirche sind alle Freitage des ganzen Jahres und die österliche Bußzeit.
  • Can. 1251 — Abstinenz von Fleischspeisen oder von einer anderen Speise entsprechend den Vorschriften der Bischofskonferenz ist zu halten an allen Freitagen des Jahres, wenn nicht auf einen Freitag ein Hochfest fällt: Abstinenz aber und Fasten ist zu halten an Aschermittwoch und Karfreitag.
  • Can. 1252 — Das Abstinenzgebot verpflichtet alle, die das vierzehnte Lebensjahr vollendet haben; das Fastengebot verpflichtet alle Volljährigen bis Zum Beginn des sechzigsten Lebensjahres. Die Seelsorger und die Eltern sollen aber dafür sorgen, daß auch diejenigen, die wegen ihres jugendlichen Alters zu Fasten und Abstinenz nicht verpflichtet sind, zu einem echten Verständnis der Buße geführt werden.
  • Can. 1253 — Die Bischofskonferenz kann die Beobachtung von Fasten und Abstinenz näher bestimmen und andere Bußformen, besonders Werke der Caritas und Frömmigkeitsübungen, ganz oder teilweise an Stelle von Fasten und Abstinenz festlegen.

Quelle: Codex Iuris Canonici online

Die näheren Bestimmungen dazu finden sich in der Partikularnorm Nr. 16 [PDF] der Deutschen Bischofskonferenz.

Am Aschermittwoch (Feria Quarta Cinerum) bleibt dieses Notizbuch geschlossen.