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Geyer vs. Mosebach

Der Spiegel hat in dieser Woche noch einmal nachgelegt und neben einer spiegeltypisch wirren Nacherzählung der stürmischen Ereignisse der letzten Woche, einem schriftlich geführten Interview mit Bischof Richard Williamson und einem unfreundlichen Portrait des künftigen Linzer Weihbischofs Gerhard Maria Wagner auch einen Essay von Martin Mosebach gedruckt. Diesen Essay wiederum demontiert kommentiert Christian Geyer in der heutigen FAZ:

Ganz am Ende seiner lesenswerten Einlassung im „Spiegel“ („Warum der Papst tun musste, was er tat“) kommt der Schriftsteller Martin Mosebach zu einer Definition dessen, was er „katholische Mentalität“ nennt. Katholische Mentalität heiße, im Blick aufs Ultramontane „mit einem kleinen Teil des Bewusstseins nicht Deutscher, nicht Zeitgenosse, nicht Erdenbürger zu sein“. Haben wir so gewettet, als wir die Wette auf Gott abschlossen? Dass sich die Tatsache der christlichen Taufe in einer „katholischen Mentalität“ niederzuschlagen habe, lässt aufhorchen.

Scheint doch erst als Mentalität, als eine alles Säkulare überspringende Denkweise, das Katholische in Gefahr, den Bogen Gottes zu überspannen. Leszek Kolakowski sprach in diesem Zusammenhang vom Wuchern des Mythos. Auch das Bewusstsein, der Zeitgenossenschaft zu entkommen, kann doch nie anders denn als Zeitgenosse gewonnen werden. Wie sollte das möglich sein, sich aus höherer metaphysischer Einsicht aus seiner Zeitgenossenschaft zu stehlen, aus den Bezügen von Recht und Kultur und Politik – und sei es mit einem klitzekleinen Bewusstseinszipfel nur? An solche Zipfel hängen sich Esoteriker aller Couleur, politische Romantiker und hohnlachende Dezisionisten.

Bemerkt Mosebach nicht, dass es genau diese als Generalklausel gehandhabte vermeintliche „katholische Mentalität“ ist, jenes Dummstellen im Namen Gottes, welche das feist-dreiste Denken hervorgebracht hat, das auch er an den Piusbrüdern kritisieren möchte: „Weltfremdheit und Eiferertum, eine krankhafte Verengung der Geister“?

Da lohnt es sich vielleicht, Mosebach im Kontext zu zitieren:

Natürlich könnte es durchaus so weit kommen, dass Staat und Gesellschaft die Lust verlieren, in ihren Grenzen eine Korporation zu dulden, die ersichtlich unter einem anderen Gesetz steht und andere Werte verteidigt als die säkulare Mehrheit. Die Grobheit einer wahlkämpfenden Kanzlerin gibt dafür einen Vorgeschmack. Es könnte den Katholiken wieder wie unter Bismarck zum Vorwurf gemacht werden, sie seien schlechte Staatsbürger, denn ihr Herz hänge „jenseits der Berge“, ultramontan, am Papst und seiner Autorität.

Ultramontan – dies Wort beschreibt vorzüglich die katholische Mentalität: mit einem kleinen Teil des Bewusstseins nicht Deutscher, nicht Zeitgenosse, nicht Erdenbürger zu sein. Bei allem Misstrauen muss das Gemeinwesen mit solchen Mitgliedern nicht schlecht fahren – Ergebnis der Dauerspannung zwischen Papst und Kaiser im Mittelalter war nichts Geringeres als die europäische Vorstellung von der Freiheit.

Eine schöne und optimistische Wende, aber ich verspüre nicht ohne Sorge den Vorgeschmack künftiger Christenverfolgung.

Doch zum Thema. Mosebach schreibt:

Strenggenommen exkommuniziert sich derjenige selbst, der gegen die Einheit der Kirche verstößt – die Aufhebung dieser Exkommunikation kann ihm nicht verwehrt werden, wenn er aufrichtig begehrt, zu dieser Einheit zurückzukehren.

Und Geyer weiß:

Hier klärt der Autor selbst über das entscheidende Kriterium auf, an dem sich die Rücknahme einer Exkommunikation zu messen hat: die Aufrichtigkeit des Begehrens, der Kirche rechtsgültig wieder eingegliedert zu werden. Es ist doch nun aber gerade die mangelnde Aufrichtigkeit, die im vorliegenden Fall ins Auge sticht und das eigentliche Thema darstellt. Ein Thema, das Mosebach in seiner Einlassung zum Verschwinden bringen möchte. Nur im schriftstellerischen Konstrukt einer „katholischen Mentalität“ geht solches vorsätzliche Verfehlen des Themas durch.

Mangelnde Aufrichtigkeit? Soll heißen: Williamson begehrt gar nicht die Wiederaufnahme in den Schoß der Kirche? Schon möglich, aber woher will Geyer das wissen?

Mosebachs blinder Fleck hat damit zu tun, dass er die Piusbruderschaft im Grunde nur aus liturgischer Perspektive beobachtet: Sie hat den tridentinischen Ritus gerettet; das war ihre historische Aufgabe; alles andere ist zweitrangig: „Ob es der Piusbruderschaft gelingt, in der Vielfalt der kirchlichen Gegenwart ihren Platz zu finden, kann nun in Ruhe abgewartet werden; ihre historische Aufgabe jedenfalls ist abgeschlossen.“

Auch dieses Zitat ließt sich im Kontext anders:

Mit diesem Nein zu einem für die Kirche hochgefährlichen Zerfallsprozess ist Lefebvre in die Kirchengeschichte eingegangen. Kraft gab ihm ein nur in Frankreich zu findendes Milieu katholischer Laien, die ihre Weltsicht im Kampf gegen den aggressiven republikanischen Laizismus erworben hatten. Das war die Tragik Lefebvres und seiner Bewegung: Sie retteten die alte Liturgie, aber sie verknüpften sie mit allem Parteienstreit der neueren französischen Geschichte. Die einzige Zuflucht, die die überlieferte Liturgie gefunden hatte, drohte ihr Gefängnis zu werden. Aus diesem Gefängnis hat Papst Benedikt sie schon mit seinem Motu proprio befreit und sie mit ihrem universellen Anspruch der ganzen Kirche zurückgegeben.

Aber musste er nicht auch gegenüber der Piusbruderschaft ein Gefühl der Verpflichtung empfinden, ein Gefühl, dass sie mit all ihren Makeln zu einem Instrument geworden war, um das Sanctissimum der Kirche über eine Krisenzeit zu bewahren? Ob es der Piusbruderschaft gelingt, in der Vielfalt der kirchlichen Gegenwart ihren Platz zu finden, kann nun in Ruhe abgewartet werden; ihre historische Aufgabe jedenfalls ist abgeschlossen.

Interessant übrigens auch die Lesermeinungen zu Geyers Kommentar.

Was vom Skandale übrigbleibt

Fast alles, was zu schreiben war über die – ja, was eigentlich? – Aufregungen der letzten Wochen, ist geschrieben, wenn auch nicht von mir. Ein paar Erkenntnisse möchte ich dennoch hier festhalten.

  • Die demographische Dimension: Sicherlich sind 600.000 Gläubige der Priesterbruderschaft Pius X. nicht besonders viele – es sind aber 500.000 mehr als beim Tod von Erzbischof Lefebvre vor 18 Jahren. Wenn 493 Priestern 215 Priesteranwärter gegenüberstehen und wenn in Frankreich schon ein Drittel aller Seminaristen Traditionalisten sind (darunter auch jede Menge Lefebvristen), dann haben wir es hier jedenfalls mit einer dynamisch wachsenden Gruppe zu tun. Und damit je nach Weltanschauung um ein wachsendes Problem oder einen Teil der Lösung.
  • Die kirchenrechtliche Dimension: Eine Exkommunikation ist im Kirchenrecht allein vorgesehen für
    1. Apostaten, Häretiker oder Schismatiker,
    2. Sakrilege,
    3. physische Gewalt gegen den Papst,
    4. Priester, die dem Mitschuldigen an einer Sünde gegen das sechste Gebot des Dekalogs eine (außer in Todesgefahr) ungültige Absolution erteilen,
    5. einen Bischof, der jemanden ohne päpstlichen Auftrag zum Bischof weiht, und ebenso, wer von ihm die Weihe empfängt,
    6. Verletzung des Beichtgeheimnisses und
    7. Abtreibung.

    Exkommunikation ist insbesondere keine Gesinnungsfrage, auch wenn manch einer das gerne so hätte.

  • Die zivilreligiöse Dimension: Dass westlich-postchristliche Gesellschaften, allen voran Deutschland, nach 1945 eine Zivilreligion herausgebildet haben, die den Holocaust (Ganzopfer) als zentralen Bezugspunkt nimmt und damit an die Stelle setzt, die das Kreuzesopfer Christi für das Christentum hat, hat sich nie so klar gezeigt wie jetzt. Und ist erfreulicherweise von hellsichtigen Kommentatoren wie zuletzt Eckhard Fuhr auch klar ausgesprochen worden. Eine trivial erscheinende Ausprägung ist die politische Korrektheit, die immer stärker totalitäre Züge trägt und längst damit begonnen hat, abweichende Meinungen und Abweichler zu sanktionieren. Dass Meinungsfreiheit in Deutschland wenig gilt, ist keine neue Erkenntnis. Doch inzwischen schlägt das Diktat der politischen Korrektheit in Terror gegen Andersdenkende um. Zu denen immer mehr Christen gehören. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, könnte das schon unserer Generation die Gelegenheit zum Martyrium geben.
  • Die demokratische Dimension: Zur Hoffnung gibt indes eine Internetumfrage der Welt Anlass: „Papst Benedikt XVI. hat mit seinen jüngsten Entscheidungen viel Kritik hervorgerufen. Wie beurteilen Sie seine Arbeit?“ 57 Prozent der Befragten antworten: „Sehr gut, er zieht seine Linie durch und macht alles richtig.“ Und weitere 13 Prozent sagen: „Er ist ein gutes Kirchenoberhaupt, auch wenn nicht jede Entscheidung glücklich ist.“ Trotz einer beispiellosen Medienkampagne erklären nur 30 Prozent: „Skandalös. Ein Papst darf Holocaust-Leugner nicht in seiner Kirche dulden.“ Das mediale Trommelfeuer hat offensichtlich nicht gefruchtet. Gut so.
  • Die theologische Dimension: Was heißt es eigentlich, das Zweite Vatikanische Konzil anzuerkennen? Geht es nur darum, das Konzil als ein legales und legitimes Konzil in der langen Reihe der Konzile zu akzeptieren? Geht es um die vollständige Akzeptanz jedes einzelnen Textes oder gar um den omninösen Geist des Konzils, der vom Buchstaben häufig nicht gedeckt ist? Was von einem Konzil wirklich bleibt, sind die Texte. Einige davon, wie das in Nizea und Konstantinopel formulierte Glaubensbekenntnis, schleppen wir bis heute mit uns herum. Andere geraten irgendwann in Vergessenheit. In unserem Fall muss erst die Generation V2 mit ihren Illusionen und Lebenslügen verschwinden, bevor ein unverstellter Blick auf die Konzilstexte möglich wird.

Genug für heute. Was noch zu sagen ist:



Immer wieder

Schon lange wollte ich über eine der vermutlich am häufigsten gebrauchten pseudoliturgischen Floskeln schreiben: das „immer wieder“. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich schon gehört habe, dass der Herr uns immer wieder einlädt oder vergibt oder was auch immer (wieder).

Sind das Füllworte ohne weitere Bedeutung? Oder was hat es damit auf sich? Suggeriert das immer wieder nicht eher Stillstand oder gar die ewige Wiederkehr des immer Gleichen? Etwas mehr Fortschritt, wenn auch nicht im weltlichen, aber doch im geistlichen Sinne, wünsche ich mir schon. Immer wieder.

Ein Drittel aller Seminaristen

Leider weiß ich nicht mehr, wo ich diese Zahl gelesen habe. Ob die Zahl stimmt, die ein anonymer Kommentator nennt, weiß ich nicht. Aber wenn sie stimmt, erklärt sie auch die Dringlichkeit jenes päpstlichen Unterfangens, das gerade für enorme Schlagzeilen sorgt.

Angeblich bereitet sich bereits ein Drittel aller Seminaristen in Frankreich in Seminaren der Priesterbruderschaft St. Pius X. auf ihren Priesterberuf vor. Im Stammland des Lefebvrismus entsteht da langsam, aber sicher eine Gegenkirche.

Nun ist Frankreich nicht die Weltkirche, aber dennoch kann es der Weltkirche und auch den alteuropäischen Bischofskonferenzen keinesfalls egal sein, was dort geschieht. Da geht es schlicht ums Überleben.

Entrückt und grundzufrieden

Der Spiegel 6/2009: Der Entrückte
Der Spiegel 6/2009: Der Entrückte

Die Titelseite der morgigen Spiegel-Ausgabe lässt nichts Gutes erwarten. Das Hamburger Nachrichtenmagazin kühlt wieder einmal sein religionskritisches, christenfeindliches und von Hass auf alles Katholische erfülltes Mütchen an Papst Benedikt XVI. (Oder? Ich habe die Geschichte noch nicht gelesen.)

Warum dieser Papst solch eine Reizfigur für Meinungsmacher ist, lässt sich mit einem Blick in die heutige Frankfurter Allgemeine Sonntagzeitung gut verstehen:

Was treibt denn den Joseph Ratzinger aus Marktl am Inn nur um, dass er sich mit allen anlegt? Aggressiv von Natur scheint er nicht. Salutschüsse aus Kanonen und Gewehren von Schützenvereinen erschrecken ihn noch immer. Es muss wohl daran liegen, dass Joseph Ratzinger vor allem eines ist: grundzufrieden katholisch. Dies ist im intellektuellen Europa eine relativ seltene, und wenn, dann meist verborgene Geisteshaltung; damit zieht man wie der heilige Sebastian die Pfeile bei jeder Gelegenheit auf sich.

Katholisch – und dann noch zufrieden damit. Welche Provokation. Aber so ist er. […]

Dass Traditionalisten auch krude Ideen vertreten, bis hin zu dramatisch-verwerflichen, dass sie mit rechten Politikern liebäugeln, ist nicht neu. Doch bemerkenswert erscheint, wie aus noch so verdammenswerten Äußerungen des marginalisierten Williamson – der noch nicht einmal als Bischof akzeptiert ist – eine Kampagne gegen den Papst, der Vorwurf des Antisemitismus gegen die römische Kirchenführung wurde. Dramatische Hochspielerei der Medien oder ein kleiner Kulturkampf?

Der Theologe Ratzinger ist von seinen Jugendtaten, von den Konstitutionen, Dekreten und Erklärungen des Zweiten Vaticanum kein wesentliches Jota abgewichen. Er hat immer wieder mit eindrucksvollen Worten und Gesten demonstriert, dass die katholische Kirche gleichgezogen hat mit dem modernen Geistesniveau, im Eingehen auf die neue Zeit, ohne ihr anheimzufallen. Meint der Papst. Mag man über ihn auch schimpfen.

Als PR-Mann bin ich geneigt zu sagen, dass jede Art von Medienpräsenz besser ist als keine Medienpräsenz. No News is Bad News. Und nachdem ich die Geschichte nun gelesen habe, überrrascht mich, wie wenig Substanz sie enthält – neben all jenen bekannten Klischees, Halbwahrheiten, aus dem Zusammenhang gerissenen, unvollständig oder schlicht falsch dargestellten Fakten, die wir aus der Kirchen- und Religionsberichterstattung des Spiegel seit jeher gewohnt sind.

Im Kern bleibt die Frage, die letztlich auch der Spiegel stellt, ob es sich nicht um ein gigantisches PR-Problem und vatikanisches Kommunikationsversagen handelt. Und sicher gibt es da Verbesserungspotential. Der Vatikan, aber auch die deutschen Bischöfe könnten die Kommunikationsklaviatur deutlich virtuoser bedienen als sie es heute tun.

Aber am Ende wird die Kirche gegenüber einer Moderne (oder auch Postmoderne), die in zentralen Punkten diametral dem Christentum widerspricht, immer anstößig bleiben. Denn dieser Widerspruch lässt sich nicht auflösen. Er fordert die Entscheidung des Einzelnen.

Und damit wären wir nun bei der tatsächlichen Bedeutung jenes päpstlichen Aktes angelangt, der diesmal den Anlass zum ohnehin gegebenen Widerspruch gab. Robert Spaemann erläutert in einem Leserbrief, der gestern in der FAZ erschien:

Die Aufhebung bedeutet: Sie dürfen wieder beichten und die Lossprechung von ihren Sünden empfangen. Sie dürfen wieder die Kommunion empfangen. Sie müssen nicht mehr ohne Tröstung durch die Sakramente der Kirche sterben. Das ist auch schon alles. […] Bei der Verleihung von Ämtern und der Gestaltung des kirchlichen Lebens können politische, das heißt Opportunitätserwägungen eine Rolle spielen. Bei der Aufhebung einer Exkommunikation, wo es um das Seelenheil geht, haben sie völlig außer Acht zu bleiben. Die Glaubensgemeinschaft der Kirche ist ein Vaterhaus mit vielen Wohnungen, keine Gesinnungsdiktatur.

Richard John Neuhaus, RIP

First Things meldet heute:

Fr. Richard John Neuhaus slipped away today, January 8, shortly before 10 o’clock, at the age of seventy-two. He never recovered from the weakness that sent him to the hospital the day after Christmas, caused by a series of side effects from the cancer he was suffering. He lost consciousness Tuesday evening after a collapse in his heart rate, and the next day, in the company of friends, he died.

Mehr.

Richard John Neuhaus: Born Toward Dying

Weihnachten 2008

Ja, mach nur einen Plan
Sei nur ein großes Licht!
Und mach dann noch ’nen zweiten Plan
Geh‘ n tun sie beide nicht.

Das wusste der olle Brecht schon vor achtzig Jahren. Wir können noch so viele Pläne machen, am Ende kommt alles ganz anders.

Uns ist in diesem Jahr eine Tochter erst geschenkt und dann wieder genommen worden. Im vergangenen Frühjahr war R. unerwartet schwanger. Nach großer Aufregung und vielen Überlegungen hatten wir im Frühsommer einen Plan gefasst, wie wir uns das Leben mit dem neuen Kind einrichten wollten. Wir hatten beide vor, unsere Arbeitszeit zu verringern, sodass an jedem Wochentag einer von uns beiden daheim wäre.

Die Aufregung und die Anspannung war langsam der Vorfreude auf ein kleines Mädchen gewichen, als R. von einer Routineuntersuchung mit der furchtbaren Nachricht zurückkam, dass unser Kind nicht mehr lebte. Am 21. Juli ist Hermine tot zur Welt gekommen. An jenem Abend im Krankenhaus habe ich das winzige Bündel Mensch betrachtet und an Ijob gedacht:

Nackt kam ich hervor aus dem Schoß meiner Mutter;
nackt kehre ich dahin zurück.
Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen;
gelobt sei der Name des Herrn. (Ijob 1, 21)

So unerwartet wie Hermine gekommen war, ist sie auch wieder gegangen. Sie hat in ihrer kurzen Lebenszeit viel in unserer Familie verändert. Ihr Kommen und auch ihr Gehen haben zweimal alle Pläne über den Haufen geworfen. Trotz aller Trauer bin ich auch dankbar für das Gute, das wir erlebt haben.

Am 25. Juli, dem Fest des Apostels Jakobus, haben wir unsere Tochter in Grünendeich neben der Kirche beerdigt. Es war auf den Tag genau zehn Jahre nach unserem Umzug aus Hamburg nach Steinkirchen. Und im August vor zehn Jahren haben wir beim Standesamt in Jork geheiratet.

Im Alten Land wird nach zehn Jahren hölzerne Hochzeit gefeiert. So haben ein paar Freunde und Nachbarn unseren Garten mit Holzlocken, Sägespänen und anderen hölzernen Dingen verziert. Wir haben dann einen sehr netten Abend verbracht. Zu einer großen Feier war uns nicht zumute.

Doch bevor das Jahr nun endet, wollen wir noch einmal feiern. Die allerletzte Gelegenheit dazu ist wie immer Silvester. Wir werden ein volles Haus haben und dieses Jahr, mit dem ich schon vor Monaten innerlich abgeschlossen habe, gebührend verabschieden.

Mit Erwartungen und Plänen für 2009 bin ich nach den letzten drei Jahren einigermaßen zurückhaltend. 2006 hatte ich mir das rechte Sprunggelenk gebrochen, 2007 starb meine Schwester und 2008 – siehe oben. Man sollte meinen, dass 2009 nur besser werden kann, doch Vorsicht…

Frohe, gesegnete Weihnachten und ein glückliches Jahr 2009!

Weihnachtsferien

Der letzte Schultag für die Kinder, der letzte Arbeitstag für die Eltern. Die nächsten 18 Tage ist nun Pause. Bless the Lord!

Die wunderbare Frau Schnutinger hat sich so ihre Gedanken zur Debatte über Spätabtreibungen gemacht und das Ergebnis in eine Satire gegossen:

Liebes Tagebuch,

heute ist unsere Lehrerin, Frau Lütke-Lewebrink, ohnmächtig geworden. Die feministischen EngelInnen haben Maria eingeredet, sie solle eine Spätabtreibung machen. Sie finden es nämlich doof und diskriminierend, dass der Erlöser ausgerechnet ein Mann ist. Jetzt haben sie eine Protestnote an Gott, also Kevin Brömmelkamp, geschrieben, Jesus solle gefälligst eine Frau sein, oder zumindest irgendwas mit Transgender oder so!

Der Kevin, äh, Gott hat erstmal eine Ethikkommission einberufen, die das ganze klären soll. Ochs und Eselchen haben den Vorsitz, der Stern soll vermitteln, der Herbergswirt führt Protokoll. Morgen wird die Protestnote diskutiert. Eine Abtreibung so kurz vor Jesu Geburt, das hat es überhaupt noch nie gegeben bei uns in der Kirche!

Unser Krippenspiel droht nun ganz auszufallen.

Mehr.

Advent

What Advent is, really, is a discipline: a way of forming anticipation and channeling it toward its goal.
Joseph Bottum

Mein bewährtes Fastenprogramm kommt ab Montag wieder zum Einsatz:

  • kein Alkohol
  • keine Süßigkeiten
  • weniger kein Fleisch
  • regelmäßigeres Gebet

Nachdem sich mein tägliches Gebet in den letzten Monaten praktisch auf Laudes und Vesper reduziert hat, will ich die Lesehore wieder aufnehmen. Dazu kommt ein tägliches Kapitel aus einem Paulusbrief. Damit hatte ich schon im September begonnen, habe jedoch gerade erst den Römerbrief abgeschlossen und mit dem ersten Korintherbrief angefangen. Mit diesem Tempo werde ich bis Ende Juni 2009 kaum alle Paulusbriefe schaffen können.

Vorhersehbar sind Ausnahmen wie die betriebliche Weihnachtsfeier, ein Hochfest am 8. Dezember und eine Reise nach Paris am 9./10. Dezember. Während das Nicht-Fasten an den Sonntagen (ab der ersten Vesper) und dem Hochfest einen besonders festlichen Charakter hat, tue ich mich mit den weltlichen Ausnahmen hingegen schwer. Käme es nicht darauf an, gerade bei diesen Gelegenheiten demonstrativ zu fasten?

Freudig erwarte ich schon heute oder morgen die angekündigte Neuauflage des liturgischen Kalenders von Peter, auf dass die Hochfeste, Feste und Gedenktage auch im neuen Kirchenjahr in meinen elektronischen Kalender Einzug halten.

Zu den Vorbereitungen auf die Vorbereitungszeit gehört auch ein seit heute einigermaßen aufgeräumter und entstaubter Schreibtisch, auf dass die Aufräumarbeiten in Ruhe fortschreiten mögen.

Angriff auf den Menschenverstand

Gabriele Kuby hat sich in der jüngsten Ausgabe des Vatican-Magazin ausführlich mit der Ideologie des Gender Mainstreaming befasst.

Ein Gespenst geht um in der Welt, und dieses Gespenst heißt „Gender“. Kaum jemand kennt seinen Namen, obwohl es überaus mächtig ist und sein Gespinst über alles geworfen hat, was von den internati­onalen und staatlichen Institutionen beeinflusst wird. Dieses Gespenst ist im Begriff, einen neuen Menschen zu schaffen, zu dessen Freiheit es gehören soll, sein Geschlecht und seine sexuelle Orientierung zu wählen, das heißt, willkürlich zu entscheiden, ob er oder sie Mann oder Frau sein will, heterosexuell, schwul, lesbisch, bisexuell oder transse­xuell. Diese Auffassung von Freiheit und Sexualität soll nach dem Willen der Vereinten Nationen, der Euro­päischen Union und der Deutschen Bundesregierung den Kindern von der Kinderkrippe an ein­geprägt werden. Es ist nicht nur ein Generalangriff auf den gesunden Menschen­verstand, sondern auch auf die göttliche Schöpfungsordnung.

Den gesamten Artikel gibt es als PDF in deutscher und englischer Fassung.

Mehr zum Thema von Volker Zastrow in der FAZ:

Außerdem im Spiegel: Der neue Mensch