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Quel coincidence!

Gestern war mein Probeheft der Zeitschrift Vatican („Schönheit und Drama der Weltkirche“) in der Post. Kann, wie mir von Scipio berichtet und durch eigene Erfahrung bestätigt, hier kostenlos bestellt werden.

Darin in der Reihe disputa ein Beitrag von Martin Mosebach („De liturgia recuperanda“), in dem er „erklärt, worum es wirklich geht“. So der Vorspann, der nicht zuviel verspricht.

Heute kam dann, ebenfalls auf Scipionische Empfehlung, Jonathan Robinsons Werk „The Mass and Modernity“.Kann also jetzt weniger schreiben, muss erst lesen.

Und schließlich in der Welt von morgen: Manifest zur Wiederzulassung der überlieferten lateinischen Messe samt Erklärstück von Paul Badde und Interview mit – na, wem wohl? – Martin Mosebach. Alles kommentiert und eingeordnet wieder bei Scipio.

Missverständnisse

  1. Oremus.

  2. Legamus. [Hier war ein Link auf drei Beiträge, die in der Zeit von November 2006 bis Januar 2007 im Kompendium erschienen sind. Ich habe ihn auf die Bitte zweier Beteiligter hin entfernt. Die folgenden Ausführungen werden damit noch unverständlicher, als sie es ja ohnehin schon waren, weil der beschriebene Kleinkrieg selbst völlig unverständlich ist. Aber das muss als das kleinere Übel hingenommen werden.]

  3. Kommunikation ist seit Adam und Eva eine riskante Sache. Man könnte den Sündenfall vielleicht als das erste große Missverständnis der Heilsgeschichte beschreiben. Menschen haben seitdem neue Kulturtechniken erfunden und mit jeder Neuerung neue Möglichkeiten gefunden, sich falsch zu verstehen.

    Ohne Buchdruck, die These sei gewagt, wäre die Reformation nicht möglich gewesen. Am Telefon ist leicht gesagt, was im Brief womöglich nicht geschrieben worden wäre. Das Internet hat Geschwindigkeit und Reichweite von Kommunikation dramatisch erhöht. Und damit auch die Möglichkeit von Missverständnissen.

    Stilmittel wie Ironie, Sarkasmus oder Zynismus erhöhen das Missverständnisrisiko noch einmal drastisch. Im vorliegenden Fall scheint das offensichtlich. Deshalb hier ein paar Klarstellungen, die in ihrem sachlichen Kern völlig ironiefrei sind. In ihrer sprachlichen Einkleidung vielleicht nicht – aber Ironie ist ein Stilmittel, das sich sogar der Papst gestattet. Seien wir nicht päpstlicher als er.

  4. Es gibt keine Blogozese, Blogozöse, Blogzoese und auch keine Blödelzese (oder wie auch immer man dieses Wort schreiben oder verballhornen möchte). Der Begriff ist eine Art laufender Scherz, der vermutlich irgendwann in der ersten Jahreshälfte 2005 aufkam. Die älteste Definition, die ich finden konnte, stammt vom 6. Juni 2005. Also aus der Zeit vor dem Weltjugendtag in Köln, was noch wichtig wird.

    Das Wort Blogozese hatte für mich von Anfang an eine selbstironische bis alberne Konnotation. Was die Blogozese jedenfalls nicht ist, ist eine fest umrissene Gruppe von Blogs oder Bloggern. Die Blogozese hat keine Agenda, weder offen noch verborgen. In manchen Blogs wird die Blogroll oder ein Teil davon mit diesem Titel bezeichnet.

    Unklar ist sogar, ob ein Blogozesane in jedem Fall katholisch sein muss. Ich kenne mindestens einen Blogger, der in mindestens einer Blogrolle als Blogozesane bezeichnet wurde, ohne katholisch zu sein.

    Und um noch ein wenig Etymologie hinzuzufügen: Blogozese ist dem Wort Blogosphäre nachgebildet, der deutschsprachigen Version von Blogosphere. Die Blogosphäre unterteilt sich wiederum in in diverse Blogozönosen, die sich aus den unterschiedlichen sozialen Verflechtungen oder Werthaltungen der beteiligten Akteure ergibt.

    Ich werde den Begriff Blogozese im Folgenden als Kürzel für die deutschsprachige katholische Blogozönose verwenden.

  5. Die Zahl sechs scheint mir reichlich willkürlich gewählt. Vielleicht, damit die Story besser funktioniert? Damit ein zahlenmäßiger Abstand zu den elf Kompendiaten behauptet werden kann? Eine Anspielung auf Offb 13,18? Ich weiß es nicht.

    Ähnlich sieht es mit der Auswahl der sechs Blogger und Blogs aus. Wie ist der nichts Böses ahnende Thomas in diese Liste geraten? Warum fehlen Fingo, Ralf oder Georg? (Nennung oder Nichtnennung stellen keine Wertung dar.)

    Diese Konstruktion klappert an allen Ecken und Enden. Soviel steht mal fest.

  6. Auch wenn die Blogozese keine Gruppe ist, wird sie offensichtlich als solche wahrgenommen. Das ist im Prinzip kein Problem. Daraus wurde erst eines, als eine Gruppe auf den Plan trat, die sich im Gegensatz zu den bis dahin aktiven katholischen Bloggern als Gruppe präsentiert. Das war nach dem Weltjugendtag in Köln.

    Die Kompendium-Gruppe ist zweifellos eine Gruppe. Sie will aber allem Anschein nach nicht als solche wahrgenommen werden. Jedenfalls dann nicht, wenn einzelne Gruppenmitglieder mit anderen Bloggern Streit anfangen.

    Dass die Blogozese keine Gruppe ist, heißt insbesondere auch, dass nicht von einem auf alle geschlossen werden kann. Jeder schreibt auf eigene Rechnung. Und was jemand schreibt, gilt nur für ihn. Das ergibt eine gewisse Vielfalt und eine Unschärfe in der Gruppenwahrnehmung.

    Das alles sind aber Trivialitäten, die für Strickblogs genauso gelten.

  7. Während Ironie, Sarkasmus und bisweilen Zynismus als Stilmittel auch schon vor 2005 üblich waren, sind plumpe Beschimpfungen und Beleidigungen erst von einzelnen Kompendiaten eingeführt worden. Meine erste Begegung dieser Art hatte ich am Hochfest Allerheiligen 2005. Der Rest ist Geschichte.

    Ich bin nicht gut darin, Schläge in meine Magengrube zu ignorieren. Vermutlich als Folge der Erbsünde habe ich schon genug damit zu tun, meine Reaktion darauf zu beherrschen.

    Ich verstehe nicht, warum die Kompendium-Gruppe – die ja hohe und hehre Ziele verfolgt – ihre Plattform einem Menschen zur Verfügung stellt, der sie nutzt, um andere Menschen zu beschimpfen und zu beleidigen.

    Hier bekommt die Angelegenheit deutliche Schlagseite: Auf der HTML-Oberfläche geht alles wohltemperiert und ausgewogen vor sich, aber im XML-Feed darf gepöbelt werden, was das Zeug hält? Lesen wirklich nur sechs Leute den Feed? Das halte ich für unwahrscheinlich.

    Eher dürfte doch wohl beim unbeteiligten Leser ein Eindruck von Doppelbödigkeit und gespaltener Zunge entstehen. Eine Hochglanzoberfläche mit schmutziger Unterseite sozusagen: oben ernsthaft und oft reichlich steif, unten böse und beißend.

    Kurz gesagt: Entweder ist das, was Joachim schreibt, für das Kompendium so in Ordnung – was ist dann der Grund, es nur den Feedlesern zu zeigen? Oder es ist nicht in Ordnung – dann sollte es gar nicht auf der Plattform erscheinen, egal in welchem Format.

  8. Menschen mit unterschiedlichen sozialen Verflechtungen und Werthaltungen bekämpfen sich im Internet zum Teil aufs Schärfste. Und häufig ist es so, dass gerade um kleine Differenzen heftig gerungen und gestritten wird.

    Denn je größer die Unterschiede, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass überhaupt keine Kommunikation stattfindet. Jede Kommunikation setzt ein gewisses Maß an Gemeinsamkeiten voraus.

    Wenn ich die Situation aus der Vogelperspektive betrachte, dann sehe ich hier eine Gemengelage eher (um eine gängige Schablone zu verwenden) konservativer Katholiken. Blogozese und Kompendium bilden nicht einmal das gesamte Spektrum des deutschsprachigen Katholizismus ab, sondern nur einen Teil, vermutlich sogar eine Minderheit.

    Es ist also etwa so wie die Feindschaft zwischen der Volksfront von Judäa und der judäischen Volksfront, wenn Ihr versteht, was ich meine. Als Zuschauer könnte man darüber lachen, wenn es ein Film wäre.

  9. Ob des ganzen Hin und Her ist bis jetzt kein Dialog gelungen. Das Kompendium scheint der Blogozese gegenüber irgendein Anliegen zu verfolgen. Aber welches?

    Wenn das, was Joachim seit Herbst 2005 in mehreren Anläufen vorgetragen hat, eine Einladung zum Gespräch sein soll, dann ist die gründlich misslungen. Wer beginnt einen Dialog mit einer kräftigen Ohrfeige für sein Gegenüber?

    Mir ist nicht klar, womit ich es verdient habe, seit jenem Allerheiligentag vom Zorn irgendwelcher Blogbeobachter verfolgt zu werden. Niemand muss mein Notizbuch lesen. Wirklich nicht.

    Und man kann mit mir prinzipiell über alles reden. Dazu braucht es nicht unbedingt eine ideale Gesprächssituation, aber ganz ohne Basis geht die Chose auch nicht.

    Ich bitte also inständig darum, künftig von Beschimpfungen, Beleidigungen und einstweiligen Verfügungen abzusehen.

  10. Warum lasse ich die Sache nicht ruhen? Weil dieser Versuch schon mehrfach gescheitert ist.

    Joachim hatte sich schon vor einem Jahr, für meine Begriffe überstürzt, aus der Mitte einer von ihm selbst losgetretenen hitzigen Debatte zurückgezogen und versucht, die Spuren zu löschen. Was im Internet niemals funktioniert – wer dort keine Spuren hinterlassen will, der darf nicht ins Internet schreiben.

    Zu Ostern fing die ganze Geschichte schon wieder an, diesmal mit anderen Protagonisten. Sie konnte zwar zu meiner Freude beigelegt werden, aber auch dies war nicht von Dauer. Denn seit November geht es schon wieder los – ohne für mich erkennbaren Anlass.

    Ich sehe nur eine ungute Lust an der Provokation, die sich jeden Anlass herausgreift, um zur rüden Attacke zu blasen. Wozu das alles gut sein soll, erschließt sich mir nicht.

Ein wichtiger Nachtrag: Frieden und Gutes: Scipio, Martin und alle anderen katholischen Blogger

Knut

Heute hat unser Weihnachtsbaum das Haus verlassen. Er wartet nun im Garten auf die Abholung. Die Krippe bleibt noch stehen, und die weihnachtlichen Lichter am Haus schalte ich erst in der Nacht zum 3. Februar ab.

Argumentative Achillesferse

Rechtgläubige katholische Internetplattformen gibt es, Deo gratias, wie Sand am Meer. Auf einer mir bis heute unbekannten fand ich ein, wie mir scheint, valides Argument, das sich auf das schon erwähnte Interview von Radio Vatikan mit Eberhard Amon stützt, der das Deutsche Liturgische Institut in Trier leitet:

Die Aussagen von Herrn Amon machen dankenswerter Weise aber wieder einmal deutlich, daß es wirklich einen Bruch zwischen alter und neuer Liturgie gibt, was von manchen Verteidigern des Novus Ordo immer wieder bestritten wird. Wenn es aber einen solchen Bruch gibt, dann ist klar, wo die Wahrheit liegen muß, denn es ist unmöglich, daß die Kirche jahrhundertelang in der Auffassung des zentralen Geheimnisses der Messe geirrt und erst auf dem II. Vatikanum wieder zur Wahrheit zurückgefunden hat.

Schon die schlichte Tatsache, dass überhaupt sinnvoll von alter oder neuer Messe gesprochen werden kann, deutet darauf hin, dass hier etwas nicht ganz stimmen kann.

Wer die Messe Pauls VI. als bahnbrechende Innovation darstellt, kann schlecht gleichzeitig behaupten, sie sei kein Bruch mit der Liturgiegeschichte gewesen. Liebe Freunde der Logik, einen Tod müsst Ihr hier sterben.

Was außerdem fehlt

Bessere Medienpolitik im Vatikan. Guido Horst (Die Tagespost) fasst die Schwierigkeiten päpstlicher PR prägnant zusammen:

Bereits drei Mal haben die führenden Medien vor allem des englisch- und des französischsprachigen Raums versucht, Papst Benedikt XVI. in Bedrängnis zu bringen. Nach der Regensburger Vorlesung, als ein kurzes Zitat ohne den dazugehörenden Zusammenhang durch die – vor allem – muslimische Welt befördert wurde.

Dann während der Türkei-Reise des Papstes, als führende Zeitungen so taten, als habe Benedikt XVI. im Gespräch mit dem türkischen Ministerpräsidenten seine persönliche Haltung zum Beitritt des Gastlandes zur europäischen Union geändert. Und schließlich am Anfang dieser Woche, als wieder fast dieselben Blätter den Skandal von Warschau als Fehler des Papstes hinstellen wollten.

Es gibt die einflussreichen Kräfte in der internationalen Medienszene, die – auch komplizierte – Vorgänge nicht erläutern wollen, sondern diese nutzen, um der Kirche und vor allem ihrer „Zentrale“ in Rom zu schaden. Es scheint, dass die „Schonfrist“ für den deutschen Theologen-Papst abgelaufen ist.

Für den Vatikan wird das vor allem zwei Konsequenzen haben: Seine eigene Medienpolitik zu überdenken und zu verbessern. Bisher hat man hier eher reagiert als Initiativen entwickelt. Zum Zweiten gilt es, das Instrument der Nuntiaturen in aller Welt auf den Prüfstand zu stellen. Eine Panne wie die in Warschau darf sich nie mehr wiederholen.

Vgl. dazu auch fono: Was der Vatikan von Apple lernen könnte

Was heute fehlt

Radio Vatikan sollte seine Satiren besser als solche kennzeichnen. Sonst verstehe ich schlichtes Gemüt sie womöglich falsch. Solche Kennzeichen hat mein Lieblingsblatt auch mal eingeführt, nachdem seine Leser den „Letzten Brief“ für bare Münze nahmen.

Was sonst noch zum liturgischen Interview zu sagen war, hat Peter schon gesagt und Peter schon gebilligt – bleibt nur die Frage: Was wird Paul sagen?

Dem Scipionischen Vorschlag zur Blogozesenreform kann ich mich nur vorbehaltlos anschließen. Werde mich dann mal wieder an meine end- wie nutzlosen und flachen Konvolute setzen.

Vorher schlage ich aber noch nach, was eigentlich Konvolute sind. Aha:

Kon|vo|lut […v…]; das; -[e]s, -e <lat.> (Buchw. Bündel [von Schriftstücken oder Drucksachen]; Sammelband)

con-volvo 3. volvi, volutus 1. zusammenrollen: terga V. 2. herumrollen: convolvitur Ales [Gestirn] kreist.

Da steh‘ ich nun…

Was fehlt

Das Fest der Taufe des Herrn, mit dem vorgestern die Weihnachtszeit endete und zugleich die Zeit im Jahreskreis begann, wurde vor der Liturgiereform immer am 13. Januar als dem Oktavtag von Erscheinung des Herrn gefeiert. Der Sonntag nach Erscheinung des Herrn war stattdessen der Festtag der heiligen Familie – ein relativ junges Fest, das erst 1920 verbindlich eingeführt worden war. Dieses Fest, nun in die Weihnachtsoktav vorgezogen, verdrängt heute in manchen Jahren die Feste des Hl. Stephanus (26.12.), des Hl. Apostels Johannes (27.12.), der Hll. Unschuldigen Kinder (28.12.) oder auch den Gedenktag des Hl. Silvester (31.12.).

Auf die Oktav von Erscheinung des Herrn folgen im alten Kalender die Sonntage nach Erscheinung des Herrn, in diesem Jahr vier drei an der Zahl (No. 2 bis 4 – zwei weitere fallen aus und werden im November zwischen dem 23. und dem letzten Sonntag nach Pfingsten nachgeholt). Die liturgische Farbe dieser Zeit ist grün. Die Weihnachtszeit wird erst am 2. Februar mit dem Fest Mariä Lichtmess (heute Darstellung des Herrn im Tempel) abgeschlossen.

In diesem Jahr kommen dann die drei Sonntage der Vorfastenzeit (Septuagesima, Sexagesima, Quinquagesima) an die Reihe. Die liturgische Farbe wechselt bereits auf Violett, Gloria und Halleluja entfallen.

Mehr im liturgischen Kalender nach dem Codex rubricarum von 1960.

Krasser Übergang

In aller Kürze sei notiert, wie krass mir auch in diesem Jahr wieder das verfrühte Ende der Weihnachtszeit und der Übergang zur liturgisch gesichtslosen Zeit im Jahreskreis erschien. Da wünsche ich mir dringend die Sonntage nach der Erscheinung des Herrn und die der Vorfastenzeit zurück.

Im Vergleich zum heutigen Zustand ist das ein sanftes Gleiten von Weihnachten zur Fastenzeit – und im größeren Maßstab sehe ich einen einzigen, großen Jahresfestkreis, der mit dem Vorgebirge Advent und Weihnachten beginnt, durch die Ebenen von Vorfasten- und Fastenzeit zum Gipfel des Triduums aufsteigt, an den sich eine 50-tägige Höhenwanderung zum zweiten, kleineren Gipfel Pfingsten anschließt, von wo aus schließlich der Abstieg über Dreifaltigkeitssonntag, Fronleichnam und Herz-Jesu-Fest in die lange Ebene der Zeit nach Pfingsten folgt.