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Tagesgebete

Dominica V „per annum“ [zit. nach Missale Romanum 2002]

Collecta
Famíliam tuam, quǽsumus, Dómine,
contínua pietáte custódi,
ut, quæ in sola spe grátiæ cæléstis innítitur,
tua semper protectióne muniátur.
Per Dóminum.

Fr. John T. Zuhlsdorf schreibt dazu:

This Collect was in the pre-Conciliar 1962MR, the so-called “Tridentine” Missal, for the 5th Sunday after Epiphany. Let us see the Google… er um… ICEL version we will hear on Sunday in our parish churches and then immediately our slavishly literal WDTPRS version.

ICEL (1973 translation of the 1970MR):
Father,
watch over your family
and keep us safe in your care,
for all our hope is in you.

LITERAL TRANSLATION:
Guard your family, we beseech you, O Lord, with continual mercy,
so that that (family) which is propping itself up upon the sole hope of heavenly grace
may always be defended by your protection.

5. Sonntag im Jahreskreis [zit. nach Schott]

Oration
Gott, unser Vater,
wir sind dein Eigentum
und setzen unsere Hoffnung
allein auf deine Gnade.
Bleibe uns nahe in jeder Not und Gefahr
und schütze uns.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Dominica in Septuagesima [zit. nach Missale Romanum ca. 1950]

Oratio.
Preces pópuli tui, quǽsumus,
Dómine, cleménter exáudi:
ut, qui juste pro peccátis nostris
afflígimur, pro tui nóminis glória
misericórditer liberémur. Per
Dóminum nostrum.

Dorfkino

Hape Kerkeling in seinem Buch Ich bin dann mal weg:

Während ich bereits bei weit geöffnetem Fenster im Bett liege, frage ich mich, was Gott eigentlich für mich ist.

Viele meiner Freunde haben sich schon lange von der Kirche abgewendet. Sie wirkt auf sie unglaubwürdig, veraltet, vergilbt, festgefahren, unbeweglich, geradezu unmenschlich und somit haben die meisten sich auch von Gott abgewendet. Wenn sein Bodenpersonal so drauf ist, wie muss er selbst dann erst sein … wenn es ihn überhaupt gibt! Geh mir weg mit Gott, sagen leider die meisten. Ich sehe das anders. Egal ob Gott eine Person, eine Wesenheit, ein Prinzip, eine Idee, ein Licht, ein Plan oder was auch immer ist, ich glaube, es gibt ihn!

Gott ist für mich so eine Art hervorragender Film wie “Ghandi”, mehrfach preisgekrönt und großartig!

Und die Amtskirche ist lediglich das Dorfkino, in dem das Meisterwerk gezeigt wird. Die Projektionsfläche für Gott. Die Leinwand hängt leider schief, ist verknittert, vergilbt und hat Löcher. Die Lautsprecher knistern, manchmal fallen sie ganz aus. Man sitzt auf unbequemen, quietschenden Holzsitzen und es wurde nicht mal sauber gemacht. Da sitzt einer vor einem und nimmt einem die Sicht, hier und da wird gequatscht, und man bekommt ganze Handlungsstränge gar nicht mehr mit.

Kein Vergnügen wahrscheinlich, sich einen Kassenknüller wie “Ghandi” unter solchen Umständen ansehen zu müssen. Viele werden rausgehen und sagen: “Ein schlechter Film.” Wer aber genau hinsieht, erahnt, dass es sich doch um ein einzigartiges Meisterwerk handelt. Die Vorführung ist mies, doch ändert sie nichts an der Größe des Films. Leinwand und Lautsprecher geben nur das wieder, wozu sie in der Lage sind. Das ist menschlich.

Gott ist der Film und die Kirche ist das Kino, in dem der Film läuft. Ich hoffe, wir können uns den Film irgendwann in bester 3-D- und Stereo-Qualität unverfälscht und mal in voller Länge angucken. Und vielleicht spielen wir dann ja sogar mit!

[zitiert bei Vries-Land, via ecclesiola]

Problemanalyse

Alfred fragt:

Also, was ist in Kürze deine Problemanalyse?

Und: Worüber bist du erschrocken, was im letzten Jahrhundert geschehen ist?

Und wo bleibt von dir die Analyse über die Probleme des Gottesdienstes vor dem II. Vat.? Sonst hätte man doch die alte Messe nicht zu reformieren versucht, wäre alles in Ordnung gewesen.

ad 1.: Ich habe noch keine vollständige Problemanalyse, schon gar keine kurze. Im Oktober habe ich mit dem Versuch begonnen, die Liturgiereform nicht als eine ominöse Ereigniseinheit zu begreifen, sondern sie in (damals vier) verschiedene Aspekte zu gliedern. Ich musste lernen, dass diese Unterscheidungen nicht ausreichen. Derzeit sieht mein liturgiereformhistorisches Forschungsprogramm (wenn ich das mal so nennen darf) so aus.

ad 2.: Ich bin erschrocken über die zahllosen Details, die mir bis jetzt begegnet sind. Über die Rücksichtslosigkeit, mit der die Liturgiereformer dem Gegenstand ihrer Bemühungen gegenübertraten. Über die Wissenschaftsgläubigkeit, mit der sie das Missale Romanum auf den Seziertisch legten, in kleinste Einzelteile zerschnitten und das Puzzle nach ihrem eigenen Plan neu zusammensetzten. Über die Überheblichkeit gegenüber einer weit über 1.000 Jahre währenden liturgischen Tradition. Und vieles mehr.

ad 3.: Kommt Zeit, kommt Analyse. Erst einmal werde ich versuchen, mein Programm abzuarbeiten. Ich möchte zuerst verstehen, was überhaupt geschehen ist, wie es geschah und in welcher Reihenfolge die einzelnen Schritte unternommen wurden. Das Zweite Vaticanum stand ja keinesfalls am Anfang der Reformen, sondern war allenfalls ein Meilenstein in einem bereits andauernden Prozess. Wahrscheinlich wird es nötig sein, zu den Anfängen der liturgischen Bewegung im 19. Jahrhundert zurückzugehen. Ein traditionalistisch motivierter Aufsatz, auf den ich neulich schon einmal verwiesen hatte, spannt den Bogen noch weiter in die Vergangenheit. Und auch Georg wird nicht müde, darauf hinzuweisen, dass die liturgische Krise im Westen kein Phänomen erst des XX. Jahrhunderts ist, sondern weit zurückreicht.

Deshalb tue ich mich schwer mit kurzen und schnellen Analysen. Und noch viel schwerer mit ebensolchen Lösungsvorschlägen. Keinen Zweifel habe ich allerdings, dass in der Tat endlich die Ächtung der bis 1970 gültigen Form von Liturgie aufhören muss. Wenn das geschehen ist, sind keineswegs alle Probleme gelöst. Aber erst dann ist überhaupt der Weg frei, ernsthaft an einer Lösung zu arbeiten.

Wie ein Krimi

So liest sich nach meinem ersten Eindruck ein Aufsatz [PDF] von Lauren Pristas („The Orations of the Vatican II Missal: Policies for Revision“), den ich in den Kommentaren des Shrine of the Holy Whapping gefunden habe.

Interessant: Auch dieser Aufsatz hat keine Antwort auf die Frage, warum um alles in der Welt das Missale von 1969/1970 die Oration (Collect) des ersten Sonntags im Advent durch eine, überdies textlich veränderte, Postcommunio der Adventszeit ersetzte. Selbst nach Bugninis Revisionsprinzipien lässt sich keine Begründung dafür finden, und das Quellenmaterial ist bemerkenswert dürftig für einen Vorgang, der gerade vierzig Jahre zurückliegt.

Die nämliche Oration ist selbstverständlich nur pars pro toto zu betrachten. Ich werde mal weiterlesen. Harter Stoff.

Eine gewisse Borniertheit

Der Kaplan konstatiert in einem höchst lesenswerten Beitrag

eine gewisse Borniertheit im gemütlichen deutschen Gewohnheitskatholizismus, was neue geistliche Gemeinschaften betrifft. Ob Opus Dei, Legionäre Christi oder Neokatechumenat: die zu Feindbildern erklärten Gemeinschaften stören den faulen Frieden der Gemeinden, die sich selbst genügen und sich jeder Neuerung argwöhnisch verweigern.

Dieser Weg wird aber recht bald in der Selbstisolation enden, denn die Verhältnisse in der Kirche weltweit sind in einem weitreichenden Umbruch begriffen. Die traditionellen Kirchen Europas verlieren aufs ganze gesehen drastisch an Bedeutung. Schon heute leben mehr Katholiken auf dem amerikanischen Kontinent als in der ganzen restlichen Welt. Die europäischen Katholiken stellen nur 26% der katholischen Weltbevölkerung.

Viele der neuen geistlichen Bewegungen kommen entweder aus der Neuen Welt oder aber sind dort besonders erfolgreich. Oft vereinen sie jugendliches Charisma mit überzeugender Lebendigkeit im persönlich gelebten Glauben, während die europäischen Wohlstandskatholiken ihre Probleme mit den christlichen Basics haben.

Die traditionellen deutschen Wohlfühlgemeinden haben alle ihre Kräfte in Strukturdebatten und Selbstbespaßung verpulvert, so daß sie nicht nur finanziell am Ende sind, sondern auch die Weitergabe des Glaubens an die jüngere Generation verpaßt haben. Sie werden wohl nicht vermißt werden, denn alle die das Evangelium leben und verkünden wollen, werden wichtigeres zu tun haben, als Organisationsstrukturen von gestern nachzutrauern.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Tiraden

Fingo wirft Wertfragen auf:

Nicht nur ich, viele Leute, die ich persönlich oder über das Internet kennenlernte, haben durch den Neuen Ritus zum Glauben gefunden. Durch den gültig gefeierten Neuen Ritus. Ich bitte darum, das bei allen Haßtiraden auf die „Häresie der Formlosigkeit“ etc. pp. mal bitte zu beachten. Denn diese Art der Diskussion, die auch auf gewissen Blogs läuft, führt mich mehr vom Glauben weg, als es mich hinbringt.

Hasstiraden? Ich hoffe, dies hier ist keines dieser gewissen Blogs.

Kirchenumbau 2007

Fast ein Thema für Kirchenschwinden scheint mir, wie die Liebfrauenkirche meiner Heimatstadt seit Jahresanfang umgebaut wird. Es ist eine neoromanische Kirche mit Seitenschiff und Chorraum auf der hinteren Empore für das Gebet der dortigen Ordensschwestern. Geweiht wurde sie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch Georg Kardinal Kopp.

Im Zuge der Liturgiereform wurde die Kirche optisch ausgenüchtert. Statt des Hochaltars kam in die Apsis ein relativ schmuckloser steinerner Tischaltar, der sich leicht umschreiten ließ, zu dem hinauf aber nach wie vor einige Stufen führten.

Nun wird die Zelebrationsrichtung ein weiteres Mal geändert. Der neue Altar kommt in die Mitte des Kirchenschiffs in die Nähe des bisherigen Seiteneingangs, die Bänke werden mehr oder weniger kreisförmig oder halbkreisförmig um ihn herum angeordnet. Was mit der Apsis geschehen soll, weiß ich nicht.

Der Chorraum auf der Empore wird aufgegeben, dorthin kommt die Orgel, die bis dato auf der Empore über dem Seitenschiff stand. Die Schwestern werden ihr Chorgebet unten im Kirchenschiff halten, das dann kein Schiff im strengen Sinn mehr sein wird, sondern eher eine Arena.

Das Chorgebet soll dann – und das allerdings ist wirklich erfreulich – für die Ortsgemeinde geöffnet werden. Vielleicht fangen die Schwestern ja auch mal zu singen an.

Wenn der Umbau abgeschlossen ist und ich wieder an Ort und Stelle bin, werde ich die Kirche ansehen und anschließend berichten.

Kyrill

Hier im Norden ist Kyrill schon vorbei. Den Namen Methodius wird wohl kein Tiefdruckgebiet des Jahres 2007 tragen. Denn die meisten Namen stehen schon fest. Nur am Jahresende ist noch ein „M“ frei, aber nur mit dem Risiko, dass das Jahr schneller zuende geht als die Tiefs heraneilen.