Stellungnahme von Karl Kardinal Lehmann bei der heutigen Pressekonferenz
Rentenbescheid
„Der letzte Anstoss, aus der Kirche auzszutreten, war, wenn Sie so wollen, der Rentenbescheid. Um meine sehr miserable Rente zu bekommen, musste ich eine Erklärung unterschreiben, dass ich nie wieder mein Priesteramt ausüben werde. Nun denn, so brauche ich jetzt endgültig das nicht mehr zu repräsentieren, worin ich mich selbst nicht mehr repräsentiert fühle.“
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Traditionskern unserer Kultur
Es gibt kein Recht auf Satireverschonung im Westen. Gerade das Christentum ist zum Gegenstand mitleidloser Kritik geworden, zum Objekt satirischer Zerlegung, die den Triumph des Humors über den Gottesdienst markiert. Die Möglichkeit, selbst das Allerheiligste zu verspotten, ist ein Traditionskern unserer Kultur, unverhandelbar, kein Symptom des Niedergangs, wie Kulturpessimisten deuten, sondern ein Beleg für gesunde Instinkte der Respektlosigkeit.
Bin ich Kulturpessimist? Vielleicht.
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Estne ista, quae ante portas stat?
Familienpolitik
Daran wird die Mobilisierung sämtlicher Sozial- und Politiktechnik überhaupt nichts ändern. Was ich der CDU indes vorwerfe, ist dass sie sich selbst an der Demontage der Norm (und in 16 Jahren Kohl auch an der Demontage der Familie, die Adenauer seinerzeit mit der Rentenreform eingeleitet hatte) beteiligt. CDU-Familienpolitik war schon immer verlogen, weil sie aus dem Lippenbekenntnis zur Familie nicht die nötigen Schlüsse gezogen hat.
Adenauer hat seinerzeit – gegen einschlägige Warnungen – ein gigantisches Schenkkreis-System zu Lasten der Familien mit Kindern und zu Gunsten Kinderloser installiert. Seit dieser Rentenreform waren Kinder optional, und der Lebensstandard Kinderloser besser gesichert als derjenige von Eltern. Es hat dann noch eine halbe Generation und einen gesellschaftlichen Umbruch gedauert, bis das Resultat in der Geburtenstatistik ablesbar war.
Seit inzwischen 30 Jahren konnten wir wissen, was wir tun. Vor 23 Jahren kam die CDU wieder an die Regierung, versprach diffus eine geistig-moralische Wende – und installierte Norbert „Die Rente ist sicher“ Blüm. Jetzt kommt die CDU in der Familienpolitik der großen Koalition mit einem technokratischen Ansatz daher, wie ihn die letzte SPD-geführte Regierung nicht zu realisieren wagte. Und noch dazu mit den falschen Instrumenten.
Ein Blick auf meine Gehaltsabrechnung zeigt, dass die Steuerbelastung nicht das entscheidende Problem ist. Die Sozialabgaben sind in der Summe etwa doppelt so hoch wie die Steuern. Und bitte nicht vergessen: Mein Arbeitgeber zahlt die gleiche Summe noch einmal direkt an die Sozialkassen. Meine Sozialabgaben sind also viermal so hoch wie die Steuern. Und was ist der größte Teil davon? Der Rentenbeitrag.
Wenn die CDU wirklich etwas für Familien mit Kindern tun wollte, würde sie den Arbeitnehmeranteil der Rentenbeiträge nach der Zahl der Kinder staffeln. Je mehr Kinder, desto weniger Rentenbeitrag. Das wird aber nicht geschehen, also zahle ich weiterhin schön fleißig die Rente jener Generation, die uns diesen ganzen Schlamassel eingebrockt hat.
Johannes Bosco
Johannes Bosco: Aus einem Brief an seine Mitbrüder (Zweite Lesung der Lesehore vom Gedenktag)
Mehr zu Don Bosco bei lux aeternitatis
Interpretationssache
Einen davon muss ich lobend erwähnen: Die Interpretation der Bibel in der Kirche, ein grundlegender Text der Päpstlichen Bibelkommission aus dem Jahre 1993. Er geht zurück auf die Initiative eines gewissen Joseph Kardinal Ratzinger und trägt deutlich dessen Handschrift. Was insbesondere heißt, dass er sich gut lesen lässt.
Absolute Pflichtlektüre für jeden, der sich heute mit Exegese beschäftigt! Manche heiß debattierte Frage erledigt sich im Grunde durch einen Blick in dieses Papier. Es gibt ein gut druckbares PDF bei der Deutschen Bischofskonferenz, dort kann der Text auch als fertig gedrucktes Werk bestellt werden.
Letzter Vierter Sonntag nach Epiphanias
Halleluja. Halleluja.
Das Volk, das im Dunkel lebte, hat ein helles Licht gesehen;
denen, die im Schattenreich des Todes wohnten,
ist ein Licht erschienen.
Halleluja.
Es wird ein Wunder sein
Bernhard war in Rom und berichtet:
Was die Oekumene betrifft, bin ich etwas frustriert nach Hause gefahren. Es kamen vielversprechende Impulse von katholischer Seite (nicht zuletzt vom Papst selbst!!!) aber leider nur destruktives Geplärre von prostestantischer Seite. Ich habe das Gefühl, dass sich der Protestantismus in Europa letztlich auf die Frage nach der Frauenordination und der Frage nach der Stellung gleichgeschlechtlicher Paare reduziert. Mehr wurde auf jeden Fall von den Protestanten in dieser Woche nicht eingebracht – Arm ist das, sehr arm.
Naja, andererseits bin ich heute schon wieder etwas gefasster. Weil ich anfange zu begreifen, dass die Einheit der Kirche (und das ist für mich immer noch Maß und Ziel aller Dinge meines Theologietreibens) nicht dadurch heraufbeschworen wird, dass wir Dokumente am Fließband produzieren, sondern dadurch, dass Gott eingreift. Es wird ein Wunder sein! Theologisch nicht fassbar. Zeitlich nicht einzuordnen. In den Konzequenzen nicht abschätzbar und in der Wunderbarkeit nicht erfassbar. Gottes Kirche wird nicht untergehen. Die Konfessionen dafür aber getrost. Ich bin dafür: weg damit!
deus caritas est!
Thomas von Aquin
Thomas, der bedeutendste Vertreter der scholastischen Philosophie und Theologie, verwirklichte das dominikanische Ideal: Contemplata aliis tradere: An andere weitergeben, was man durch Betrachtung und Studium gelernt hat. Seine Hauptwerke: Die theologische Summe (Summa theologica) und die Summe gegen die Heiden (Summa contra Gentiles). Thomas war auch religiöser Dichter; er schuf die Liturgie des Fronleichnamsfestes. [Schott]
Gut und Böse
„Es hat mit Dummheit zu tun, wenn der Mensch an Gott und seinen Gaben Überdruss empfindet.“
„Es ist unmöglich, dass ein Mensch gut ist, außer er stehe in der rechten Beziehung zum allgemeinen Wohl.“
Thomas von Aquin

