Der Reformationstag ist irgendwie verdächtig

Ist Luther etwa ein Religionsstifter? Der Verdacht beschleicht mich seit dem jüngsten Reformationstag. Was genau wird da eigentlich gefeiert? Die Kirchenspaltung kann es wohl nicht sein, das wäre ja zutiefst unökumenisch und widerspricht dem ersten ökumenischen Axiom, wonach die Bösen immer in Rom sitzen.

Weder der Wikipedia-Eintrag (recht oberflächlich) noch reformationstag.de bringen mich weiter. Letzteres ist zwar schön gemachte EKD-Propaganda, aber auch ohne großen Tiefgang. Was wird gefeiert, fast als wäre es die Geburt des Erlösers, seine Auferstehung von den Toten oder die Aussendung des Heiligen Geistes? Ich weiß es nicht.

In meinem Abreißkalender stand am 31. Oktober 2009 der folgende Satz von Henri de Lubac:

Es geht nicht darum, das Christentum den Menschen anzupassen, sondern darum, die Menschen Christus anzupassen.

Wie passend.

Mund- und Kelchkommunion

Seit einiger Zeit bin ich ja, angestiftet durch Elsa, zur Mundkommunion übergegangen. Zuerst war das sehr aufregend, aber dann trat die Gewohnheit ein. Jetzt sehe ich gelegentlich in irritierte Kommunionhelfergesichter, aber echte Probleme gibt es nicht.

Zu den Vorzügen unserer Diasporagemeinde voller zugezogener Menschen aus allen Teilen der katholischen Welt gehört auch die große Vielfalt gelebter Glaubenspraxis. Bei uns gibt es jede Menge Minderheiten. So gehöre ich nun zur Minderheit der Mundkommunikanten, aber bin damit immerhin nicht alleine. Falls übrigens unser blinder Diakon die Kommunion austeilt, wie heute abend in der Messe zu Allerseelen, dann wechsele ich aus praktischen Gründen zur Handkommunion.

Wie geht eigentlich der Mundkommunikant korrekterweise mit dem Kelch um, falls er gereicht wird? Gar nicht? Die neue Grundordnung des Römischen Messbuches ist in dieser Hinsicht eindeutig:

287. Wenn die Kelchkommunion durch Eintauchen geschieht, tritt der Kommunikant zum Priester, wobei er die Kommunionpatene unter den Mund hält; der Priester hält das Gefäß mit den heiligen Hostien; an seiner Seite steht der Diener, der den Kelch hält. Der Priester nimmt eine Hostie, taucht einen Teil von ihr in den Kelch, zeigt sie und spricht dabei: Der Leib und das Blut Christi (Corpus et Sanguis Christi); der Kommunikant antwortet: Amen, empfängt vom Priester das Sakrament mit dem Mund und entfernt sich darauf.

Jetzt müssen wir nur noch die Praxis dem Messbuch anpassen.

Sechs Cathcasts, die ich empfehlen kann

In den letzten Wochen habe ich eine Reihe katholischer Podcasts entdeckt, die ich nur wärmstens weiterempfehlen kann.

  1. Daily Breakfast: Father Roderick Vonhögen aus Holland ist der CEO des Starquest Production Network (SQPN). Sein tägliches Frühstück dauert gute 30 Minuten und handelt von Filmen und Fernsehserien (was mich persönlich nicht so interessiert), aber auch Geek Talk. Mein liebster Teil dieser Show ist The Peculiar Bunch: Father Roderick beantwortet allerlei katholische Fragen. Da geht es oft ans Eingemachte.
  2. Radio Vatikan: Der deutsche Dienst des päpstlichen Radios hat zwar seine bekannten Schwächen. So kommt die Piusbruderschaft nicht ohne das Adjektiv „schismatisch“ vor, was zumindest eine Verkürzung ist. Aber dennoch informiert Radio Vatikan zuverlässig über die Weltkirche.
  3. Domradio: Von dort beziehe ich das Tagesevangelium samt kurzer Auslegung. Es gibt beim Domradio darüber hinaus jede Menge Stoff.
  4. Monastero San Benedetto: Die tägliche Heilige Messe in der außerordentlichen Form, gesungen von den Mönchen der Abtei San Benedetto in Norcia, Italien. Seit kurzem wieder regelmäßig Tag für Tag.
  5. Bruder Paulus‘ Kapuzinerpredigt: Der wortgewaltige Kapuzinerpater zeichnet seine Predigten auf, die er im Würzburger Käppele hält.
  6. What Does The Prayer Really Say? Father John Zuhlsdorf hat auch einen Podcast, allerdings produziert er im Moment nur sehr selten neue Folgen.

Soweit meine katholischen Podcastfavoriten. Über weitere Vorschläge in den Kommentaren freue ich mich.

Margot Käßmann und Angela Merkel werden sich gut verstehen

Die Süddeutsche bringt es auf den Punkt:

Margot Käßmann ist, wie immer mehr Pastoren, geschieden: Das Pfarrhaus verliert seine Funktion als kulturell-pädagogische Keimzelle. Und die neue Chefprotestantin stammt aus der evangelischen Weltverbesserungs-, aus der Kirchentagswelt. Sie wird den tagespolitischen Interventionismus ihrer Kirche fortsetzen und den Eigengehalt religiöser Rede in Talkshows zugunsten von sozialer Zeitgenossenschaft kaschieren. Zwar betont sie jetzt stärker das Geistlich-Pastorale, aber das wirkt eher wie eine Legitimation, ja eine Kompensation des politischen Engagements. Margot Käßmann und Angela Merkel, so scheint es, werden sich gut verstehen.

Dynamisches Brevier

Erstaunlich, wie viel sich auch schon vor 1960/62 am Breviarium Romanum verändert hat. So fehlten in den letzten Tagen in meiner 20er-Jahre-Ausgabe gleich zwei Feste, nämlich das des heiligen Antonius Maria Claret am 23. Oktober und das Christkönigsfest am letzten Oktobersonntag.

Kein Wunder, wurde doch jener Antonius erst 1950 von Papst Pius XII. heiliggesprochen und das Christkönigsfest 1925 von Papst Pius XI. eingeführt. Das sind schon zwei Argumente, die gegen die Verwendung eines derart alten Breviers sprechen.

Nachzutragen bleibt noch, dass die Preces keineswegs abgeschafft sind, sondern nur öfter mal ausgelassen werden. Das kommt davon, wenn man die Rubriken nicht liest. Danke an Gregor für den Hinweis.

Erste Schritte mit dem Breviarium Romanum

Bekanntlich trage ich mich schon länger mit dem Gedanken, von der Liturgia Horarum auf das Breviarium Romanum umzusteigen. Sozusagen probeweise habe ich sehr günstig drei ziemlich abgegriffene Bände aus den 20er Jahren erworben, es fehlt also ein Band. Macht aber nichts, für das eine oder andere Completorium hat es schon gereicht.

breviarium_romanum

Heute abend nun habe ich zum ersten Mal eine Vesper daraus gebetet. Fünf Psalmen, Capitulum, Hymnus, Versum, Magnificat, Oratio, Conclusio und fertig ist die Hore. Das dauert auch nicht länger als die Vesper der Liturgia Horarum, die zwar nur zwei Psalmen und ein neutestamentlichtes Canticum enthält, dafür aber ein Responsorium und die Preces – die mit den Rubriken von 1960 abgeschafft wurden im Brevier nicht an allen Tagen vorgesehen sind. Weshalb ich sie in meiner Ausgabe überblättern muss. Bei dieser Anpassung hilft divinumofficium.com.

Die drei Bände sind auch im heruntergekommenen Zustand mit ziemlich zerfledderten Lesebändchen und abgewetztem Ledereinband noch ganz ansehnlich. Das Satzbild ist sehr viel schöner als das der Liturgia Horarum, der Goldschnitt ist noch ziemlich gut erhalten und die abgerundeten Ecken haben das dünne und dennoch stabile Papier weitgehend knitterfrei erhalten.

Paulusbriefe gelesen, Katholische Briefe folgen

Mein Projekt, im Paulusjahr sämtliche Paulusbriefe zu lesen, ging gestern mit einiger Verspätung und dem Hebräerbrief zuende. Es schritt erst dann einigermaßen voran, als ich begann, jeden Morgen nach den Laudes ein Kapitel oder wenigstens ein paar Verse zu lesen.

Als nächstes folgen nun die Katholischen Briefe, heute begonnen mit dem Jakobusbrief. Danach die Offenbarung des Johannes, anschließend die Evangelien und die Apostelgeschichte. Wenn das geschafft ist, werde ich mich dem Alten Testament zuwenden. Wo genau ich dann beginne, weiß ich noch nicht.

Ich lese übrigens die Einheitsübersetzung in Gestalt jener in dunkelrote Pappe eingebundenen Ausgabe, die ich ca. 1980/82 als Schulbibel bekam und die auch meine beiden Geschwister als solche verwendet haben. Sie trägt immer noch den durchsichtigen Plastikschutzumschlag aus jener Zeit. Das Papier ist schon nach knapp 30 Jahren ziemlich vergilbt.

Antikatholische Klischees am Münsteraner Tatort?

Ich mag die Münsteraner Tatorte ja. Aber nicht wenn sie, wie morgen zu befürchten, sämtliche billigen antikatholischen Klischees bedienen. Darauf deutet jedenfalls die Vorschau in der heutigen FAZ hin (nicht online). Darin fallen Worte wie stupende Einseitigkeit, Lieschen-Müller-hafter Zugriff aus Thema und erwartbar ausgemalter Hintergrund. Es geht um den Mord am Regens des Münsteraner Priesterseminars, und offensichtlich kommt die Geschichte nicht ohne Kinderschändung, Zölibatsverletzung und Priesterkinder aus.

Warten wir’s ab. Immerhin gehen die Serienjunkies weniger streng mit dem WDR-Produkt um:

„Tempelräuber“ ist ein sehr unterhaltsamer und sehenswerter „Tatort“, der gekonnt auf den Klaviaturen des Komischen wie des Tragischen spielt.