Meinhard Miegel

Ein furioses Spiegel-Gespräch [kostenpflichtig] mit dem alten Kompagnon von Kurt Biedenkopf.

„Was derzeit in vielen frühindustrialisierten Ländern zu beobachten ist, ist keineswegs nur eine vorübergehende Flaute, sondern der Beginn einer neuen Epoche. Wir befinden uns auf dem Scheitelpunkt einer Entwicklung, die vor ungefähr 500 Jahren in Europa begonnen hat. Sie nahm ihren Anfang mit der Entdeckung Amerikas, wurde beschleunigt durch die Reformation und den frühen Kapitalismus, setzte sich fort in einer zunehmend effizienten Manufakturenwirtschaft und mündete in der Industrialisierung. Aufgrund dieser Entwicklung können heute die Menschen im Westen pro Kopf im Durchschnitt das 17fache dessen verbrauchen, was der übrigen Menschheit zur Verfügung steht. Ein solcher Vorsprung ist auf Dauer nicht zu halten. Das Hauptfeld wird uns wieder einfangen.

SPIEGEL: Sind wir dann abgeschlagen, oder können wir wieder aufschließen?

Miegel: Wir sind weit davon entfernt, abgeschlagen zu sein. Nur – um den bisherigen Vorsprung zu halten, müsste sich die Gesellschaft grundlegend verändern. So wie sie ist, altert sie rapide. Schon jetzt ist die Hälfte der Bevölkerung älter als 43 Jahre. Bei den Völkern, die gegen uns antreten, liegt dieses Alter bei unter 30 Jahren. In nicht sehr ferner Zukunft wird fast jeder zweite Erwachsene in Deutschland das 60. Lebensjahr überschritten haben. Viele Menschen sind extrem sicherheitsorientiert, anspruchsvoll und verweichlicht. Sie haben altengemäße Interessen und Bedürfnisse. Eine solche Gesellschaft hält keine Vorsprünge vor dem Rest der Welt.“

Technorati Tags: , , ,

Wozu Kirchhof?

Um die offene Flanke zu schließen, die eine ostdeutsche, kinderlose, geschiedene Protestantin als Kanzlerkandidatin bei (süd-)westdeutschen, verheirateten Katholiken mit Familie hinterlässt – der traditionellen Stammwählerschaft der CDU. Könnte man meinen. Dafür allerdings hätte er wohl etwas früher präsentiert werden müssen. Also doch nur Notnagel, weil Stoiber weder kann noch will? [Lummaland]

Technorati Tags: ,

Unwürdige Hirten

„In der Sommerresidenz des Papstes kommt es heute zu einem unerwarteten Showdown, verkündet Alexander Kissler [in der Süddeutschen Zeitung]. Das abtrünnige Schaf Fellay trifft den Oberhirten Benedikt.

Bernard Fellay wurde im Juli 1988 exkommuniziert. Zwei Tage zuvor hatte ihn der traditionalistische Kirchenrebell Marcel Lefebvre, ehemals Erzbischof von Dakar, widerrechtlich zum Bischof geweiht. Heute leitet Fellay als Nachfolger Lefebvres die ‚Priesterbruderschaft Sankt Pius X.‘ (deutsche Sektion) – jene sendungsbewusste Vereinigung, die die römische Kurie des Verrats am Glauben zeiht, die Päpste der letzten 40 Jahre für ‚unwürdige Hirten‘ hält, sich selbst aber für die Schar der Aufrechten, denen die ‚Gnade der Errettung‘ zuteil wurde.'“ [Perlentaucher]

Technorati Tags: ,