Da haben wir sie, die erste Blogpriesterin. Uns bleibt auch nichts erspart.
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Roma non locuta
Es sagt viel aus, wenn der Doyen der evangelischen Theologie zur Causa eines evangelischen Theologen auf ein Machtwort aus Rom drängt, es gleichwohl nicht erwartet, und der Perlentaucher (bekanntlich ein Hugenott) dies [1,50 EUR] wie folgt zusammenfasst:
„Der evangelische Theologe Eberhard Jüngel drängt im Fall des Kollegen Klaus Berger auf eine klärende Stellungnahme aus Rom, damit es endlich heißt: ‚Roma locuta causa finita.‘ Wir schließen uns an.“
Lammert legt nach
Bundestagspräsident Norbert Lammert hat ganz offensichtlich nicht vor, sich bei der zweiten Auflage der Leitkultur-Debatte mit dem Minimalkonsens zu bescheiden, es handele sich um den falschen Begriff für eine richtige Debatte. Im Interview der Woche des Deutschlandfunks spricht er wie folgt:
„Ich habe gar keinen Zweifel daran, dass es eine Reihe von Überzeugungen gibt, die breit geteilt werden, über die nur in einer Mischung aus Leichtsinn und Oberflächlichkeit am liebsten nicht geredet wird. Diese Gesellschaft vermeidet die Diskussion über das, was sie miteinander eigentlich verbindet.
Und anstelle einer solchen Verständigung finden dann solche Ersatzorientierungen statt – Ersatz jetzt gar nicht im negativen Wortsinne -, dass wir doch schließlich eine Verfassung hätten, die für alle gelte, und dass wir doch Gesetze hätten, die für alle richtig seien, und das müsse doch als geistiges Gerüst einer Gesellschaft reichen. Dies reicht als Gerüst eben nicht aus, weil jede historische Erfahrung und im übrigen auch die aktuelle Erfahrung in unserem Land uns zeigt, dass Verfassungen und Gesetze schon der Ausdruck zugrunde liegender Wertüberzeugungen sind.
Und wenn diese Wertüberzeugungen, warum auch immer, verloren gehen, werden diese Setzungen nicht Bestand haben. Und wir haben zu lange verdrängt, und offenkundig sind da in den vergangenen Jahren Einsichten wieder gewachsen, dass es eine Bereicherung und zugleich eine Herausforderung für eine Gesellschaft darstellt, wenn unterschiedliche kulturelle Traditionen und Erfahrungen miteinander konfrontiert werden, aber es ist eine treuherzige Beschreibung dieser Erfahrung, wenn man leugnen wollte, dass es kulturelle Differenzen gibt.
Und es wäre grob unredlich, zu bestreiten, dass solche kulturelle Differenzen auch praktische Bedeutung haben können. Der Anspruch beispielsweise auf Gleichberechtigung der Frau und der Anspruch auf Dominanz des Mannes, beides kulturell begründet, sind in ein und derselben Gesellschaft nicht zu haben. Der Anspruch auf Trennung von Staat und Kirche, von Religion und Politik, und der Anspruch auf unmittelbare Geltung göttlichen Rechts, auch im politischen und rechtlichen Handeln, jeweils kulturell begründet, sind in ein und derselben Gesellschaft nebeneinander nicht möglich.
Und wir haben zu viel Zeit mit der vielleicht gut gemeinten Illusion verloren, dies solle man am besten nicht einmal diskutieren, schon gar nicht klären. Und inzwischen ist immer deutlicher geworden, dass sich eine Gesellschaft diesen Klärungsbedarf nicht schenken kann.“
Darmstädter Gespräche
Wo war unser Korrespondent in Darmstadt eigentlich am gestrigen Vormittag? Um 11 Uhr fanden dort im Staatstheater die Neuen Darmstädter Gespräche statt (Eintritt 10 EUR). Allein schon die Diskutanten rechtfertigten vermutlich den Preis: Demograf Herwig Birg, Stern-Journalist Hans-Ulrich Jörges, Querschnittprofessor Norbert Bolz und „Angstforscher“ Borwin Brandelow. Echo Online, ein Ableger des Darmstädter Echos, zitiert Birg:
„Diese Gesellschaft hat sich etwas vorgemacht. Deutschland hat sich aufgegeben. Das gemeinsame Projekt fehlt. Wir haben viel zu wenig Angst angesichts der realen Situation.“
Darauf Jörges:
„So wie Sie reden, würde ich mich auch davon machen“, erwidert er Birg und lobt die Berliner Aufbruchstimmung. Da wird zwar noch immer nicht regiert, doch Jörges sieht in Edmund Stoibers Rückzug, Franz Münteferings Demontage und Matthias Platzecks Aufstieg Anzeichen für das „Aufbrechen autokratischer Strukturen“. Nicht dass er einer Regierung Merkel viel zutrauen würde: „Wir werden jetzt eine System-Reparatur-Koalition kriegen.“ Aber irgendwann werden die Verhältnisse den Systemwechsel erzwingen. Jörges glaubt fest an die reformierende Kraft der Umstände.
Und der Angstforscher tröstet:
„Glück definiert sich nicht nur durch Geld.“ Und manche Angst könne man doch auch durch einen Schluck Weißwein nehmen. Eine Flasche hat Moderator Martens denn auch schon in Reserve stehen. Wahrscheinlich hat er bereits vor dieser Gesprächsrunde geahnt, dass es hernach Bedarf geben könnte, sich die Welt ein paar Promille schöner zu trinken.
Ausdrücklich ausgeladen
Aus der Pressemitteilung der EKD zum Arbeitsbericht des Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber:
„Bei der Trauerfeier für den Gründer der Gemeinschaft von Taizé, den Protestanten Roger Schutz, am 23. August habe sich die neue Atmosphäre in der ökumenischen Situation gezeigt, so der Ratsvorsitzende. ‚Die Repräsentanten protestantischer und orthodoxer Kirchen waren teilweise von der Teilnahme an der Mahlfeier ausdrücklich ausgeladen.'“
Warum „teilweise“?
Und zum Protestantismus von Roger Schutz sei Andreas Püttmann zitiert:
Daß dieser nur noch aus Ordens-Raison offiziell protestantisch und in pectore, zumal beim Eucharistieverständnis, mit Wissen des Kardinals wohl längst katholisch war, durfte man aus Gründen der ökumenischen Korrektheit – und des angebrachten Respekts vor dem religiösen forum internum – ja nicht laut sagen. Nicht einmal aus dem später von Kurienkardinal Kasper zelebrierten katholischen Requiem für Roger Schutz wurde öffentlich der korrekte Schluß gezogen.
Dazu dann diese Fußnote:
Außer durch den Leserbriefschreiber Prälat Dr. iur. can. Peter Hilger in der FAZ vom 6.9.05 („Katholisch geworden“) unter Hinweis auf can. 205 CIC und LG 14. Dazu auch schon mein Artikel: Taizé auf dem Weg nach Rom?, in: Rheinischer Merkur vom 13.12.1991.
Can. 205 CIC lautet:
Voll in der Gemeinschaft der katholischen Kirche in dieser Welt stehen jene Getauften, die in ihrem sichtbaren Verband mit Christus verbunden sind, und zwar durch die Bande des Glaubensbekenntnisses, der Sakramente und der kirchlichen Leitung.
Und LG 14:
Den katholischen Gläubigen wendet die Heilige Synode besonders ihre Aufmerksamkeit zu. Gestützt auf die Heilige Schrift und die Tradition, lehrt sie, daß diese pilgernde Kirche zum Heile notwendig sei. Christus allein ist Mittler und Weg zum Heil, der in seinem Leib, der Kirche, uns gegenwärtig wird; indem er aber selbst mit ausdrücklichen Worten die Notwendigkeit des Glaubens und der Taufe betont hat (vgl. Mk 16,16; Joh 3,5), hat er zugleich die Notwendigkeit der Kirche, in die die Menschen durch die Taufe wie durch eine Türe eintreten, bekräftigt. Darum könnten jene Menschen nicht gerettet werden, die um die katholische Kirche und ihre von Gott durch Christus gestiftete Heilsnotwendigkeit wissen, in sie aber nicht eintreten oder in ihr nicht ausharren wollten. Jene werden der Gemeinschaft der Kirche voll eingegliedert, die, im Besitze des Geistes Christi, ihre ganze Ordnung und alle in ihr eingerichteten Heilsmittel annehmen und in ihrem sichtbaren Verband mit Christus, der sie durch den Papst und die Bischöfe leitet, verbunden sind, und dies durch die Bande des Glaubensbekenntnisses, der Sakramente und der kirchlichen Leitung und Gemeinschaft. Nicht gerettet wird aber, wer, obwohl der Kirche eingegliedert, in der Liebe nicht verharrt und im Schoße der Kirche zwar „dem Leibe“, aber nicht „dem Herzen“ nach verbleibt. Alle Söhne der Kirche sollen aber dessen eingedenk sein, daß ihre ausgezeichnete Stellung nicht den eigenen Verdiensten, sondern der besonderen Gnade Christi zuzuschreiben ist; wenn sie ihr im Denken, Reden und Handeln nicht entsprechen, wird ihnen statt Heil strengeres Gericht zuteil. Die Katechumenen, die, getrieben vom Heiligen Geist, mit ausdrücklicher Willensäußerung um Aufnahme in die Kirche bitten, werden durch eben dieses Begehren mit ihr verbunden. Die Mutter Kirche umfaßt sie schon in liebender Sorge als die Ihrigen.
Synodales Hotel
Ein ästhetischer Genuss ist die heute begonnene 4. Tagung der 10. Synode der EKD ja nicht gerade. In der Tagesschau war das grauenhafte Tagungshotel in voller Pracht zu sehen. Verfügt die EKD in Berlin über keine schöneren Säle, die 120 Synodale fassen würden? Sie sind doch wahre Asketen, die Jungs und Mädels von der protestantischen Fraktion.
Verlangen nach der Weisheit
Karl Borromäus
Karl Borromäus, nach dem hl. Ambrosius der zweite große Bischof von Mailand, ist eine bedeutende Gestalt der Gegenreformation im 16. Jahrhundert. Als Sohn des Grafen Gilberto Borromeo und der Patrizierin Margherita Medici wurde er 1538 in der Burg Arona am Lago Maggiore geboren. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Pavia wurde er Sekretär seines Onkels, des Papstes Pius IV. Medici. 1560 wurde er Kardinaldiakon und Administrator des Erzbistums Mailand. Die Priester- und die Bischofsweihe empfing er 1563. Er war ein Mann der unermüdlichen Arbeit und des Gebets, der sich vom Glanz seiner Karriere nicht blenden ließ. Seine Briefe füllen hundert Bände der Ambrosianischen Bibliothek. Der Abschluss des Konzils von Trient war zum guten Teil sein Verdienst. Von 1566 an ging er daran, in seiner Diözese die Konzilsbeschlüsse durchzuführen. Durch Synoden, Visitationen und Gründung von Seminaren reformierte er den Klerus und die Seelsorge; er stellte Missbräuche ab, sorgte für die Armen und Kranken, besonders im Pestjahr 1576. Im Oktober 1584 hielt er in Monte Varallo seine jährlichen Einkehrtage. Als er nach Mailand zurückkehrte, stellten die Ärzte fest, dass seine Kräfte völlig verbraucht waren. Er starb mit 46 Jahren am 3. November 1584. [Schott]
Das Hirtenamt
Auf Wunsch des jungen Kardinals Borromeo schrieb der Erzbischof von Braga (in Portugal) ein Büchlein über die Pflichten des Bischofs. Darin steht: „Du beklagst dich, das Hirtenamt sei ein Hindernis deiner Frömmigkeit? Es ist in Wirklichkeit nichts anderes als die ständige Übung der höchsten Tugenden: der Liebe, der Gerechtigkeit und des Erbarmens.“ – Das ließ sich Karl Borromeo gesagt sein.
Herr und Gott,
erhalte in deiner Kirche den Geist,
von dem der heilige Karl Borromäus erfüllt war,
und gib ihr die Bereitschaft,
sich ständig zu erneuern.
Gestalte sie nach dem Bild deines Sohnes Jesus Christus,
damit die Welt ihn erkennen kann,
unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Tagesgebet
Merkel in München
Noch eine Perle: „Eberhard RathgebGeorg Paul Hefty war [für die FAZ, 1,50 EUR] ganz Ohr, als Angela Merkel in München über Werte und ihren Glauben sprach.“ [Perlentaucher] Sie tat das übrigens in der Katholischen Akademie.
Mit historischem Blick
„Martin Otto setzt [in der FAZ, 1,50 EUR] mit historischem Blick die Diskussion um den ökumenischen Theologen Klaus Berger fort“, meldet heute der Perlentaucher.
Und in der SZ rät [nur für E-Paper-Abonnenten] Martin Ohst, evangelischer Theologieprofessor in Wuppertal, dem „wegen seines evangelischen Anscheins und katholischen Herzens umstrittenen Kollegen“ (Perlentaucher), sich alle „Wehleidigkeit zu verkneifen“ (Ohst). Schließlich habe er die evangelische Kirche für seine Karriere benutzt.
