Alle Artikel von mr94

Heute in der Lesehore

Zum Gedenktag der hl. Margareta von Schottland bietet die Lesehore heute einen Auszug aus Gaudium et Spes. Ich zitiere aus aktuellem Anlass die unmittelbar vorausgehende Textpassage und den Anfang der heutigen Lesung.

47. Das Wohl der Person sowie der menschlichen und christlichen Gesellschaft ist zuinnerst mit einem Wohlergehen der Ehe- und Familiengemeinschaft verbunden. Darum begrüßen die Christen zusammen mit allen, welche diese Gemeinschaft hochschätzen, aufrichtig all die verschiedenen Hilfen, mittels derer man heute in der Förderung dieser Gemeinschaft der Liebe und im Schutz des Lebens vorwärtskommt und Gatten und Eltern bei ihrer großen Aufgabe unterstützt werden. Die Christen hoffen von daher auf noch bessere Resultate und suchen dazu beizutragen.

Jedoch nicht überall erscheint die Würde dieser Institution in gleicher Klarheit. Polygamie, um sich greifende Ehescheidung, sogenannte freie Liebe und andere Entartungen entstellen diese Würde. Darüber hinaus wird die eheliche Liebe öfters durch Egoismus, bloße Genußsucht und durch unerlaubte Praktiken gegen die Fruchtbarkeit der Ehe entweiht. Außerdem tragen die heutigen wirtschaftlichen, sozialpsychologischen und staatlichen Verhältnisse erhebliche Störungen in die Familie hinein. Schließlich werden in manchen Teilen der Welt die Probleme der Bevölkerungszunahme mit Besorgnis registriert.

Durch all dies wird das Gewissen der Menschen beunruhigt. Andererseits zeigen sich Bedeutung und Stärke von Ehe und Familie als Institution gerade dadurch, daß sogar die tiefgreifenden Veränderungen der heutigen Gesellschaft trotz aller daraus entstehenden Schwierigkeiten sehr oft die wahre Eigenart dieser Institution in der verschiedensten Weise deutlich werden lassen. Darum will das Konzil durch besondere Hervorhebung bestimmter Hauptpunkte der kirchlichen Lehre die Christen und alle jene Menschen belehren und bestärken, die die ursprüngliche Würde der Ehe und ihren hohen und heiligen Wert zu schützen und zu fördern suchen.

Die Heiligkeit von Ehe und Familie

48. Die innige Gemeinschaft des Lebens und der Liebe in der Ehe, vom Schöpfer begründet und mit eigenen Gesetzen geschützt, wird durch den Ehebund, d. h. durch ein unwiderrufliches personales Einverständnis, gestiftet. So entsteht durch den personal freien Akt, in dem sich die Eheleute gegenseitig schenken und annehmen, eine nach göttlicher Ordnung feste Institution, und zwar auch gegenüber der Gesellschaft.

Dieses heilige Band unterliegt im Hinblick auf das Wohl der Gatten und der Nachkommenschaft sowie auf das Wohl der Gesellschaft nicht mehr menschlicher Willkür. Gott selbst ist Urheber der Ehe, die mit verschiedenen Gütern und Zielen ausgestattet ist; sie alle sind von größter Bedeutung für den Fortbestand der Menschheit, für den persönlichen Fortschritt der einzelnen Familienmitglieder und ihr ewiges Heil; für die Würde, die Festigkeit, den Frieden und das Wohlergehen der Familie selbst und der ganzen menschlichen Gesellschaft.

Durch ihre natürliche Eigenart sind die Institutionen der Ehe und die eheliche Liebe auf die Zeugung und Erziehung von Nachkommenschaft hingeordnet und finden darin gleichsam ihre Krönung. Darum gewähren sich Mann und Frau, die im Ehebund nicht mehr zwei sind, sondern ein Fleisch (Mt 19,6), in inniger Verbundenheit der Personen und ihres Tuns gegenseitige Hilfe und gegenseitigen Dienst und erfahren und vollziehen dadurch immer mehr und voller das eigentliche Wesen ihrer Einheit. Diese innige Vereinigung als gegenseitiges Sichschenken zweier Personen wie auch das Wohl der Kinder verlangen die unbedingte Treue der Gatten und fordern ihre unauflösliche Einheit.

Albertus Magnus

Mitte der Schöpfung

„Der Mensch steht in der Mitte der Schöpfung, zwischen Stoff und Geist; zwischen Zeit und Ewigkeit.“

„Die vornehmste Kraft des Menschen ist die Vernunft. Das höchste Ziel der Vernunft ist die Erkenntnis Gottes.“

„Wer sich mit göttlichen Dingen beschäftigt, wird nach ihrem Bild umgestaltet.“

„O Herr, ich wollte, ich wäre ein Mensch nach deinem allerliebsten Willen.“ (Sätze von Albert d. Gr.)

Nachtrag: Heute erinnert der Deutschlandfunk an Albertus Magnus. [MP3]

Breaking News

Mit drastischen Worte kommentiert der Herr durch den Mund seines Propheten eine der jüngsten Debatten in der Blogozese:

Ihr aber sagt: Das Verhalten des Herrn ist nicht richtig. Hört doch, ihr vom Haus Israel: Mein Verhalten soll nicht richtig sein? Nein, euer Verhalten ist nicht richtig.
Wenn der Gerechte sein rechtschaffenes Leben aufgibt und Unrecht tut, muss er dafür sterben. Wegen des Unrechts, das er getan hat, wird er sterben.
Wenn sich der Schuldige von dem Unrecht abwendet, das er begangen hat, und nach Recht und Gerechtigkeit handelt, wird er sein Leben bewahren.
[Ez 18,25-27, aus der gestrigenheutigen ersten Lesung der Lesehore]

Verunsichert über ihren Auftrag

Reinhard Höppner, vormals Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt und neuer Präsident des Evangelischen Kirchentages, der 2007 in Köln stattfinden wird, im Interview der Woche des Deutschlandfunks:

„Breker: Die evangelische Kirche steht, wie vieles in dieser Gesellschaft, unter Sparzwang. Die gerade beendete Synode hat nochmal gezeigt, dass mit Kirchensteuer-Mindereinnahmen zu rechnen ist, nicht nur in diesem Jahr, auch im nächsten Jahr. Der Trend wird anhalten. Nachlassender Zuspruch für die Kirche – ist das auch gleichbedeutend für die nachlassende Bedeutung der Kirche in der Gesellschaft?

Höppner: Zunächst bin ich nicht sicher, ob es wirklich nachlassender Zuspruch zur Kirche ist. Im Osten Deutschlands kann man es jedenfalls nicht sagen, da ist es mindestens konstant. Es sind nachlassende Einnahmen. Und möglicherweise ist es auch ein Bedeutungsverlust in der Gesellschaft, die ja immer pluralistischer und säkularisierter wird, was die gesellschaftlichen Mechanismen anbetrifft. Und möglicherweise drückt die Kirche mehr dieser Bedeutungsverlust als der Einnahmeverlust der Finanzen. Man redet natürlich jetzt vor allen Dingen über die Finanzen. Ich vermute, des Pudels Kern steckt ein bisschen tiefer. Die Kirche ist selber ein bisschen verunsichert über ihren Auftrag, über ihre Funktion in dieser sich rasant verändernden Gesellschaft. Das ist das größere Problem. Die Finanzprobleme ließen sich schon lösen. […]

Und vielleicht ist die Kirche auch selber nicht so richtig davon überzeugt, dass sie jungen Leuten in ihrer durchaus schwierigen Situation, in der sie derzeit sind, irgend etwas wirklich Wegweisendes zu sagen hat. Ich bedaure das, weil ich glaube, wir haben viel zu sagen. Aber die Gewissheit ist bei der Kirche offenbar nicht so verbreitet, dass es so ansteckend wird.“

Trügerisch ist Anmut

Eine tüchtige Frau, wer findet sie? Sie übertrifft alle Perlen an Wert.
Das Herz ihres Mannes vertraut auf sie, und es fehlt ihm nicht an Gewinn.
Sie tut ihm Gutes und nichts Böses alle Tage ihres Lebens.
Sie sorgt für Wolle und Flachs und schafft mit emsigen Händen.
Nach dem Spinnrocken greift ihre Hand, ihre Finger fassen die Spindel.
Sie öffnet ihre Hand für den Bedürftigen und reicht ihre Hände den Armen.
Trügerisch ist Anmut, vergänglich die Schönheit; nur eine gottesfürchtige Frau verdient Lob.
Preist sie für den Ertrag ihrer Hände, ihre Werke soll man am Stadttor loben.
Spr 31, 10-13.19-20.30-31 (Erste Lesung vom 33. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A)

Martin von Tours

Martin, der schon lange um den Zeitpunkt seines Todes wußte, informierte seine Mitbrüder, daß die Zeit der Auflösung seines Körpers gekommen sei.

In der Zwischenzeit gab es aber einen Vorfall, weswegen Martin eine bestimmte Diözese visitieren mußte. Dort herrschte Streit unter den Priestern und Martin wollte den Frieden wiederherzustellen. Er war sich des Endes seiner Tage bewußt. Dennoch lehnte er es nicht ab, sich auf den Weg zu machen. Denn er wollte nicht sterben, bevor er der Kirche den Frieden wiedergegeben hatte.

Martin verweilte für einige Zeit in der besagten Diözese und stellte den Frieden wieder her. Als er wieder in sein Kloster zurückkehren wollte, begannen ihn seine Körperkräfte fast schlagartig zu verlassen. Schnell rief er die Mitbrüder zusammen und teilte ihnen mit, daß er in Auflösung begriffen sei.

Da begann eine Klage und Trauer. Die Weinenden riefen wie mit einer Stimme: „Warum verläßt Du uns, Pater? Wem wirst Du uns hinterlassen? Reißende Wölfe dringen in Deine Herde ein. Wer wird uns vor ihren fletschenden Zähnen schützen, wenn der Hirte niedergestreckt ist? Wir wissen, daß Du Dich nach Christus sehnst. Doch das eilt nicht, denn Dein Lohn ist Dir gewiß. Wenn du ihn noch ein bißchen herauszögerst, wird er nicht weniger werden. Erbarme Dich lieber unser, die Du uns alleine zurückläßt!“

Von ihren Tränen gerührt verbot Martin seinen Brüdern zu weinen und sprach zum Herrn gewandt: „Mein Herr, wenn ich für Dein Volk noch notwendig bin, verweigere ich mich der Arbeit nicht. Dein Wille geschehe!“

O außerordentlicher Mensch, der Du das Leben nicht dem Tod und den Tod nicht dem Leben vorgezogen hast! Weder hast Du den Tod gefürchtet, noch die Mühsal des Lebens von Dir gewiesen! Du hast Deine Augen und Hände immer zum Himmel gewandt, warst unbesieglich im Gebet, ungebeugt im Geist.

Als Priester, die ihn damals besuchten, baten, sich auf die Seite zu drehen und ihnen seinen ausgemergelten Leib zuzuweden, sprach er: „Laßt mich, Brüder! Laßt mich lieber zum Himmel blicken als zur Erde, damit mein Geist zum Herrn gerichtet sei.“

Als er das gesagt hatte, erblickte er den Teufel selbst, der danebenstand. Da sprach Martin: „Was stehst Du da, grausame Bestie? Du Greuslicher sollst in mir nichts finden. Der Schoß Abrahams wird mich aufnehmen.“

Mit diesen Worten gab er seinen Geist dem Himmel zurück.

Der glückliche Martin wird in den Schoß Abrahams aufgenommen. Der arme und bescheidene Martin, betritt den Himmel als reicher Mann.

Sulplicius Severus über den Tod des hl. Martin von Tours

Laizismus

Die Süddeutsche Zeitung zur Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, die Klage einer türkischen Studentin gegen das Kopftuchverbot an der Istanbuler Hochschule zurückzuweisen:

„Die Richter haben grundsätzlich die Trennung von Staat und Religion als Fundament einer demokratischen Staatsordnung betont. Religion wird nicht nur von Islamisten immer wieder für politische Zwecke missbraucht. Auch in Amerika wird eine aggressive Religiösität verstärkt als Politikersatz benutzt. Da kann es nicht schaden, in Europa daran zu erinnern, was der Laizismus wert ist, gerade für ein Land wie die Türkei, das erst noch Mitglied der EU werden will.“ [Deutschlandfunk/Presseschau]

Bleibt nur die klitzekleine Kleinigkeit festzuhalten, dass Deutschland jedenfalls kein laizistischer Staat ist.