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Schmidt über Ratzinger

Gerade erst entdeckt. Harald Schmidt im Interview mit der Netzeitung:

56 Eigentlich sehen Sie die Dinge doch sehr positiv.Ja, aber man glaubt immer, es sei schon positiv, wenn die Renten gesichert sind. Das stimmt ja nicht, man muss das größer sehen, irgendwie katholischer. Alles, was nun in den Feuilletons geschrieben wird, fordert Joseph Ratzinger seit dreißig Jahren. Besser, sprachlich kraftvoller, stilistisch brillanter, inhaltlich ungebeugter.

Sinnfrage

Das heutige Tagesgebet wurde mir wie folgt ergänzt zu Gehör gebracht:

Allmächtiger Gott,
bei der Verklärung deines eingeborenen Sohnes
hast du durch das Zeugnis der Mütter und Väter
die Geheimnisse unseres Glaubens bekräftigt.
Du hast uns gezeigt, was wir erhoffen dürfen,
wenn unsere Annahme an Kindes statt
sich einmal vollendet.
Hilf uns, auf das Wort deines Sohnes zu hören,
damit wir Anteil erhalten an seiner Herrlichkeit.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Gibt es unter den geschätzten Lesern dieses Notizbuches jemanden, der mir den Sinn dieser Ergänzung erläutern kann? Ich verstehe ihn nicht.

Zellklumpen

„Im Labor wird aus dem Zellklumpen sowieso kein Baby“, überschreibt die FAZ treffend einen Diskussionbeitrag von Carl Djerassi zur Stammzellen-Debatte, der auf eine Zusammenfassung von Patrick Bahners im gleichen Blatt antwortet. Für seine Argumentation zieht er das Argument eines namentlich nicht genannten Moraltheologen heran:

Wenn ein Ei durch eine Samenzelle in einem herkömmlichen Geschlechtsakt befruchtet werde, verdiene der daraus entstandene Embryo den besonderen rechtlichen Schutz „potentiellen Lebens“, weil alle Schritte – von erster Zellteilung und Einnistung in die Schleimhaut der Gebärmutter bis zur weiteren Entwicklung des Embryos beziehungsweise Fetus – Teil eines einzigen natürlichen Kontinuums seien, das nicht unterbrochen werden dürfe, bis das Kind den Mutterleib verlasse.

Die für die Stammzellenforschung benutzten Embryonen würden jedoch, so Djerassi, nicht im Körper einer Frau erzeugt. Im Labor sei ein solches natürliches Kontinuum nicht möglich – ergo auch kein Schutz der auf diese Weise erzeugten Embryonen nötig.

Eine Argumentation, gegen die sich die Deutsche Bischofskonferenz und der Rat der EKD schon 2003 wandten:

Wo das Interesse der Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen so stark ist, dass man die Tötung menschlicher Embryonen zur Gewinnung solcher Stammzellen in Kauf nimmt, wird menschliches Leben instrumentalisiert, was ethisch nicht gerechtfertigt ist. Die Würde und das Lebensrecht des menschlichen Embryos, die ihm auch dann von Anfang an zukommen, wenn er außerhalb des Mutterleibs gezeugt wurde, werden damit bestimmten Forschungsinteressen untergeordnet und als weniger wert erachtet.

Was im Übrigen auch ein gewisses Licht auf die Argumentation des anonymen Moraltheologen wirft (wie hier zu ersehen ist, handelte es sich um Walter Schaupp).

Erotisches Verhältnis zum Geld

Klaus Berger in der Tagespost:

Nun möchte man die Menschen mit viel Geld zum Kinderkriegen bewegen. Dagegen kann man radikal formulieren: Ihr Politiker, behaltet das Geld! Denn der Wunsch zum Kind ist doch nicht mit Zahlungen zu erreichen.

Die kostspielige Illusion der Politiker besteht in der aberwitzigen Meinung, die Lust auf mehr Kinder, auf Ehe und Familie überhaupt ließe sich durch Geldversprechen erzeugen. So entsteht doch nur die Meinung: Wenn man soviel Geld dafür bekommt, dann muss es schon eine verflixt unangenehme Sache sein.

Der Dienst am Geld, die Faszination durch das Geld, das war doch gerade die ganze tödliche Faszination, die zum Untergang Roms führte. Wie will man mit demselben Mittel, das doch zum Untergang führte, nämlich der Faszination durch das Geld, heilen? In dem erotischen Verhältnis zum Geld liegt doch der ganze Jammer unserer sterbenden Kultur.

Evolution vs. Evolutionism

Da Petra es gerade mit dem survival of the fittest hat, kommt mir dieser von Netscape.com wie folgt angekündigte Beitrag von Gennaro Auletta, Philosophieprofessor an der Päpstlichen Universität Gregoriana zu Rom gerade recht:

„Evolution doesn’t necessarily imply a mechanistic metaphysics, and the integration of legitimate, proven science into religion will break down the barriers between science and religion. Using evolution as evidence for blind chance is ideology, not pure science. Such a claim is evolutionism, and not the serious theory of evolution.“

Der Autor greift eine Rede von Cardinal Paul Poupard aus dem vergangenen November heraus (Vorschau der Tagespost auf den Kongress hier) und schlägt eine trennscharfe Unterscheidung zwischen Evolutionstheorie und Evolutionismus als säkularer Religion vor.

Benedikt in Manoppello

Und jetzt zum Feuilleton von morgen. Christian Geyer schreibt in der FAZ über den geplanten Besuch von Benedikt XVI. in Manoppello:

Gemessen an dem bildpolitischen Ereignis, das dieser kleine Abruzzen-Ausflug darstellt, ist der Deutschland-Besuch, der sich im September dann anschließt, nur noch eine Fußnote der Wortgeschichte. Die Zukunft wird im Bilde sein – oder sie wird nicht sein.

The Need to Act

Der russisch-orthodoxe Bischof Hilarion Alfeyev in einem Interview mit Inside the Vatican [via idea]:

The liberal, weakened „Christianity“ of the Protestant communities cannot resist the onslaught of Islam; only staunch, traditional Christianity can stand against it, ready to defend its moral positions. In this battle, the Orthodox and Catholics could, even in the face of all the differences accumulated over the centuries, form a united front.

The primary purpose of the strategic cooperation that I propose should be the defense of traditional moral values such as the family, childbirth, spousal fidelity. These values are subjected to systematic mockery and derision in Europe by liberals and democrats of all types. Instead of spousal fidelity, „free love“ is promoted, same-sex partnerships are equated with the union of marriage, childbirth is opposed by „family planning.“ Unfortunately, we have serious differences in these matters with most Protestants, not to speak of fundamental differences of theological and ecclesiological character.

I will use as an example a conversation with a Lutheran bishop, held within the framework of a theological dialogue with one of the Northern Lutheran churches. We tried to prepare a joint document in the defense of traditional values. We began to talk about abortion. I asked: „Can we put in the joint document that abortion is a sin?“ The Lutheran bishop responded: „Well, of course, we don’t promote abortion, we prefer contraception.“ My question: „But abortion is in the opinion of your church, a sin, or is it not?“ His reply: „Well, you see, there are various circumstances, for example, the life of a mother or child could be in danger.“ „Well, if there is no threat to either the mother or the child, then is abortion a sin, or not?“ And the Lutheran bishop still could not concede that abortion is a sin.

What is there to talk about then, if abortion is not a sin, same-sex marriage is fine, and contraception is wonderful? There it is, liberal Christianity in all its glory. It is clear for me that presently only Catholics and Orthodox preserve the traditional view of family values in Europe, and in this regard, as in many others, we are strategic partners.