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Diskurshoheit

Das Bedauern des Erzbischofs von Köln, niedergeschrieben in der FAZ von morgen, fand seinen Weg heute abend in die Tagesschau. Viel klarer als in dieser Zeitung wird er seine Position nicht mehr formulieren können, und dennoch wird weiterhin das Geschrei derjenigen zu hören sein, die ihn falsch verstehen wollen. Und derer, die ihn richtig verstehen und genau deshalb schreien.

Joachim Kardinal Meisner schert sich nicht um die Denk-, Diskurs- und Formulierungsverbote, die Eva Herman gerade den Arbeitsplatz gekostet haben. Er trifft, und die getroffenen Hunde bellen. Sein inzwischen auch schon nicht mehr ganz neuer Pressesprecher zieht dabei offensichtlich mit zunehmendem Geschick die kommunikativen Fäden für seinen Dienstherrn.

Mit der Nazi-Keule kann man in diesem, unserem Land fast jeden erschlagen, mag der Anlass auch noch so absurd sein. Den Kölner Hirten nicht. Und das ist auch gut so.

Befreiung

Am letzten Donnerstag stand ich spätabends vor dem Kühlschrank und überlegte, ob ich noch ein Bier trinken sollte. Ich hatte Bierdurst, aber ich war auch müde, es war schon spät und am Freitag musste ich wieder früh raus. Spätabends noch ein Bier zu trinken ist eine Gewohnheit von mir. Zwar nicht jeden Tag, aber doch regelmäßig trinke ich abends noch ein Bier. Fast fehlt schon etwas, wenn ich keines trinke.

An diesem Abend war ich nicht sicher, ob es gut wäre, noch ein Bier zu trinken. Irgendwie ahnte ich schon, dass es mir am nächsten Morgen nicht gut gehen würde. Trotzdem griff ich zur Flasche, öffnete sie und trank sie aus. Es schmeckte gut, und ich ging ins Bett. Prompt hatte ich am nächsten Morgen Kopfschmerzen. Und nicht nur am Morgen, sondern auch am Vormittag und sogar mittags noch, obwohl ich eine Kopfschmerztablette genommen hatte.

Es war also nicht gut, noch ein Bier zu trinken. Eigentlich war dagegen ja nichts einzuwenden gewesen. Warum sollte ich am Ende eines langen Tages nicht eine Flasche Bier trinken? Es ist vielleicht nicht direkt mein Recht, aber jedenfalls liegt dieses Bier im Rahmen meiner persönlichen Freiheit.

Nun hatte mir diese Entscheidung allerdings geschadet. Ich hatte zwar meine Freiheit in Anspruch genommen, ich hatte mich mehr oder weniger frei entschieden, noch ein Bier zu trinken. Doch dieses eine, an sich harmlose Bier war von Übel. Das merkte ich am nächsten Tag.

Meine Freiheit ist also eine zweischneidige Sache. Sie ist einerseits gut und richtig und wichtig. Die Freiheit gehört zum Menschsein dazu. Aber ich kann meine Freiheit offensichtlich auch falsch einsetzen und mir damit schaden.

Der jüngere Sohn im Gleichnis, das wir heute in der Heiligen Messe gehört haben, erlebt genau dies. Er nimmt seine Freiheit in Anspruch, und der Vater gewährt sie ihm. Er zahlt ihm sein Erbteil aus, obwohl er vermutlich ahnt, was sein Sohn vorhat. Der zieht hinaus in die Welt und haut sein Erbe auf den Kopf.

Er will einfach genießen. Er will das Leben ausschöpfen bis zum Äüßersten, „Leben in Fülle“ haben, wie er meint. Er will keinem Gebot, keiner Autorität mehr unterstehen: Er sucht die radikale Freiheit; er will nur sich selber leben, keinem anderen Anspruch unterstellt. Er genießt das Leben; fühlt sich ganz autonom. (Joseph Ratzinger, Benedikt XVI.: Jesus von Nazareth. Erster Teil, 243f.)

Doch seine Autonomie hat Grenzen. Es dauert nicht lange, bis das Erbe verbraucht ist. Ohne Geld ist er nicht mehr frei, im Gegenteil: Er wird zum Knecht, muss Schweine hüten und wäre froh, wenn er selbst Schweinefutter zu essen bekäme. Für Juden sind Schweine unreine Tiere. Der Sohn, der zum Knecht geworden ist, schließt sich also selbst aus der Gemeinschaft aus. Er ist ein Sklave und alles andere als frei.

An diesem Punkt ist die Freiheit in ihr Gegenteil umgeschlagen – in die völlige Unfreiheit, in die Knechtschaft. Der an sich freie Mensch hat sich gegen den Vater entschieden, ist seine eigenen Wege gegangen und endet als Knecht bei den Schweinen. Für diesen Zustand der Unfreiheit, der Abwendung von Gott, dem Vater gibt es ein altes Wort: Es lautet Sünde.

Doch an diesem Punkt kehrt der verlorene Sohn um. Seine Suche nach Freiheit hat ihn in eine Sackgasse geführt. Ihm bleibt keine andere Wahl als umzukehren, wenn er nicht dort bleiben will, wo er ist. Er kehrt zurück zum Vater, und man könnte diese Rückkehr für eine Niederlage halten. Tatsächlich aber ist sie ein Sieg, und zwar ein Sieg über das Böse. Der Sohn hat sich nicht nur vom Vater abgewandt, als er in die Fremde zog. Er hat sich von sich selbst entfernt, als er versucht hat, sich selbst zu verwirklichen. Mit den finanziellen Mitteln seines Vaters übrigens, und die waren offensichtlich nicht unbegrenzt.

Der Sohn kehrt also zum Vater zurück, und zugleich auch zu sich selbst. Der Vater freut sich, nicht weil er irgendwie Recht behalten hätte, sondern weil er seinen Sohn wiedergefunden hat:

Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wieder gefunden worden. Und sie begannen, ein fröhliches Fest zu feiern. (Lk 15,24)

Schauen wir kurz auf den größeren Zusammenhang. Jesus erzählt hier insgesamt drei Gleichnisse, und er antwortet damit auf den Vorwurf von Pharisäern und Schriftgelehrten, dass er sich mit Sündern abgibt und sogar mit ihnen isst. Wie die Schweine als unreine Tiere gelten denen die Sünder als unreine Menschen, mit denen man sich nicht abzugeben hat.

Jesus sieht das anders. Im Markusevangelium sagt er auf den gleichen Vorwurf hin:

Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten. (Mk 2,17b)

Jesus wendet sich an die Sünder, nicht weil er die Sünde irgendwie kleinreden oder gutheißen will, sondern um die Sünder zur Umkehr zu rufen. Das ist sein Programm, dem er bis zum Äußersten treu bleibt. „Durch seinen Tod und seine Auferstehung hat“ Jesus Christus „uns von der Sünde und von der Knechtschaft des Todes befreit“, heißt es in einer Präfation.

Die Umkehr eines Sünders ist deshalb ein Grund zur Freude – Gott hat sein Ziel erreicht. In allen drei Gleichnissen steht am Ende die Freude über den Sünder, der umkehrt:

Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wieder gefunden, das verloren war. Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren. (Lk 15,6b-7)

Und:

Freut euch mit mir; ich habe die Drachme wieder gefunden, die ich verloren hatte. Ich sage euch: Ebenso herrscht auch bei den Engeln Gottes Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt. (Lk 15,9b-10)

Der Sünder, der umkehrt, das ist der Mensch, der sich vom Vater abgewandt hatte und nur noch sich selbst zum Maßstab nehmen wollte. Der damit scheitert und sein Scheitern erkennt. Der es bereut und zum Vater zurückkehrt. Und der vom Vater mit offenen Armen empfangen wird. Das ist die gute Nachricht: Gott empfängt den Sünder, der umkehrt, mit offenen Armen.

Doch was ist mit dem älteren Bruder? Im Unterschied zum jüngeren hat er nie gegen den Willen seines Vaters gehandelt. Er ist mit Gott im Reinen, er hält sich an seine Gesetze. Er ist kein Sünder. Aber nun empört er sich, wie es auch die Pharisäer und Schriftgelehrten gegen Jesus tun, über die Großzügigkeit seines Vaters.

Er hat seine Freiheit nicht so in Anspruch genommen, wie es sein jüngerer Bruder tat. Er ist nicht in die Ferne gezogen und hat nicht sein Erbteil durchgebracht, sondern dient schon viele Jahre seinem Vater, und nun klagt er über eine fehlende Belohnung für diesen Dienst. Auch er ist nicht wirklich frei. Er trägt seine „Freiheit eigentlich doch als Knechtschaft“ (Ratzinger, a.a.O., 252) und hat den Weg zur wahren Freiheit noch vor sich.

Er hält sich an die Gesetze, wie es auch die Pharisäer und Schriftgelehrten tun, und damit macht er sicher keinen Fehler. Aber Gott ist größer als das Gesetz. Die Bekehrung des älteren Bruders ist die Umkehr vom Gott des Gesetzes zum Gott der Liebe. Gott hat seinen Sohn gesandt, heißt es im Galaterbrief, „damit er die freikaufe, die unter dem Gesetz stehen, und damit wir die Sohnschaft erlangen“ (4,5). Auch der ältere Sohn muss umkehren. Er muss seine Bitterkeit ablegen und sich mit dem Vater freuen über seinen Bruder, der tot war und wieder lebt, der verloren war und wieder gefunden wurde.

Was war (1): Ein Fenster im Dom

Von Gerhard Richter gestaltetes Fenster im Kölner Dom (Ausschnitt)

In die Zeit meiner Abwesenheit fiel die Fertigstellung des neuen Südquerhausfensters im Kölner Dom. Es ist ein in jeder Hinsicht bemerkenswertes Kunstwerk. Auf den Bildern, die ich bislang gesehen habe, gefällt es mir.

Bunte Pixel passen gut in unsere Zeit. Das Fenster ist gefällig und konventionell. Vielleicht ist das zugleich die größte Stärke und die größte Schwäche des Werkes.

Muss Kunst heute abstrakt und gegenstandslos sein, um nicht als Kunsthandwerk zu gelten? Und ist nicht auch Richters Werk in gewisser Weise Kunsthandwerk, wenn auch auf hohem Niveau?

Rückkehr

Es war die längste Pause seit Bestehen dieses Notizbuches. Seit Juli 2003 war kein Monat ohne neue Einträge vergangen. Doch die Monate Mai bis August 2007 bleiben nun leer.

Es ist einiges passiert, was hier zu notieren mir in den Fingern juckte. Doch je länger die Pause dauerte, um so größer wurde mein eigener Anspruch an das Comeback. Zum einen oder anderen Thema werde ich wohl noch etwas notieren.

Das für die Kirche wichtigste Ereignis der vergangenen Monate war zweifelsohne das langerwartete Motu proprio Summorum Pontificum. Insofern passt es gut, am Vorabend des Festes Kreuzerhöhung die erste Notiz für dieses Büchlein nach der langen Zeit des Schweigens zu verfassen. Heute geht ein fast vierzigjähriges Exil zuende.

Ich danke Euch allen für Eure lieben Wünsche, Euer Gebet und Mitgefühl. Es war und ist ein großer Trost zu wissen, dass da draußen hinter dem weiten Netz Menschen sind, die ich zum größten Teil noch gar nicht persönlich getroffen habe und die Anteil nehmen an dem, was uns widerfahren ist. Die Gemeinschaft der Heiligen halt.

Für das Notizbuch habe ich mir eine neue Außenhaut geliehen. Daran werde ich auch noch ein wenig schrauben in der nächsten Zeit. Wenn ich dazu komme.

Schweigen

Am vergangenen Dienstag haben wir meine kleine ein Jahr jüngere Schwester zu Grabe getragen. Am Freitag zuvor ist sie auf der Palliativstation am Uniklinikum Göttingen gestorben. Sie hinterlässt ihren Mann und zwei Söhne im Alter von sechs und acht Jahren, dem Alter nach genau zwischen unseren beiden.

Wie sich die Dinge fügten, konnte ich am Abend vor ihrem Tod auf der Rückreise von einem Termin in Frankfurt Halt in Göttingen machen. Ich bin dann dort geblieben. Wir waren zu viert in ihrer letzten Nacht an ihrem Bett.

Morgen nach Dienst fahre ich wieder zu meinen Eltern, meinem Schwager und meinen Neffen. Am Dienstag feiern wir in ihrem Wohnort eine Heilige Messe zum Wochengedenken.

Bitte betet für meine Schwester und ihre – unsere – Familie.

Dieses Notizbuch bleibt vorerst ohne neue Einträge.

Realitätsabgleich für eine Ministerin

Wer kümmert sich schon um lästige Details, wenn es um hehre Ziele wie die Verdreifachung der Krippenplatzversorgung geht? Manfred Spieker, Professor für Christliche Sozialwissenschaften an der Universität Osnabrück, ist verblüfft:

Niemand scheint die Berechnungen der Familienministerin nachgeprüft zu haben. Niemand konfrontiert ihre Forderungen mit den Geburtenzahlen des Statistischen Bundesamtes einerseits und den Wünschen der betroffenen Mütter andererseits.

  1. In Deutschland werden keine 700.000 Kinder mehr pro Jahr geboren (2006: 673.000, 2005: 686.000). Preisfrage: Wie viele Kinder bis zu drei Jahren kann es dann maximal geben?
  2. Für das erste Jahr bzw. die ersten 14 Monate gibt es Elterngeld – werden auch Krippenplätze für jedes dritte Kind im ersten Lebensjahr gebraucht?
  3. Die Zahl von 500.000 neuen Krippenplätzen ist mithin höchst unplausibel. Die lästigen Details können bei Spieker nachgelesen werden.

Das von-der-Leyensche Krippenprojekt missachtet aber nicht nur die Geburtenzahlen des Statistischen Bundesamtes, sondern auch die Wünsche der Frauen. Gerade einmal 17 Prozent sind nach einer Untersuchung des Ipsos-Instituts vom März 2007 der Meinung, dass die Kinder in einer Krippe am besten aufgehoben seien, während 81 Prozent die Erziehung durch die Eltern für das Beste halten.

Wäre die Familienpolitik an echter Wahlfreiheit der Eltern interessiert und würde sie die 1000 Euro, die ein Krippenplatz durchschnittlich im Monat kostet, direkt an die Mütter auszahlen, also Subjekt- statt Objektförderung betreiben, dann würden 69 Prozent der Mütter in den ersten drei Jahren zu Hause bleiben und ihr Kind selbst erziehen.

Noch Fragen?

Surréxit Dóminus vere, allelúia

Dies ist die Antiphon zum Invitatorium in der Osterzeit. Das deutsche Stundenbuch hat:

Christus ist erstanden; kommt, wir beten ihn an! Halleluja.

Womit die berechtigte Frage von Zuzanna nach dem Warum schon fast beantwortet wäre. Aber ich will etwas ausholen.

I.
Es ist nicht das Gleiche. Das deutsche Stundenbuch ist ganz offensichtlich keine getreue Übersetzung der Liturgia Horarum. Die Antiphon müsste sonst wohl lauten: „Der Herr ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja.“

Nun wird es sicher gute Gründe für solche Änderungen geben, und das deutsche Stundenbuch ist nicht falsch oder schlecht. Aber es ist nicht das Original.

Man mag zu Recht einwenden, das gelte auch für die Liturgia Horarum. Und ganz sicher werde ich früher oder später auch ein Breviarum Romanum erwerben.

Aber eines nach dem anderen. Es werden im Sommer erst vier Jahre, seit ich mit dem Stundengebet begonnen habe. Der kleine grüne, völlig zerfledderte Stundenbuchband von damals steht noch im Regal.

Die Liturgia Horarum ist jetzt einfach dran.

II.
Der römische Ritus ist der lateinische Ritus. Latein ist die Universalsprache einer Weltkirche, die ich erst im Zweipäpste- und Weltjugendtagsjahr 2005 so richtig entdeckt habe. Die Weltkirche, meine ich.

Latein verbindet noch einmal ganz anders mit allen Betern im Heute und zu allen Zeiten, als es die deutsche Sprache kann.

At 11:30 p.m. on Christmas Eve I was twiddling the knob of my radio. Unable to get out to Midnight Mass I wanted at least to bring it to my fireside. And as I switched from one European station to the next I tuned in to one Midnight Mass after the other. Belgium, France, Germany, Eire, yes, even behind the Iron Curtain, Prague. It seemed as though the whole of what was once Christendom was celebrating what is potentially the most unifying event in man’s history. And the important thing was that it was the same Mass. I am a newcomer to the Mass but I was able to recognized its continuity as I went from station to station for it was in one common language. This aspect of Catholicism is but a single one, and maybe not the most important. But I have a strong feeling that it is precisely the Catholicism of the Catholic Church which may prove the greatest attraction, and will meet the greatest need, for my disillusioned generation. [Douglas Hyde]

Als privater Beter des Stundengebetes und als Laie bin ich erst einmal allein. Den Weltpriestern geht es ähnlich. Das Gebet in Gemeinschaft ist, anders als bei Ordensleuten, die seltene Ausnahme. Das Stundengebet ist und bleibt aber in seinem Innersten ein Gemeinschaftsgebet, auch für mich. Das ist in jeder Sprache so.

Die Grundgebete und das Ordinarium der Messe sind mir inzwischen auf Latein geläufig. Damit entspreche ich, nebenbei, einem Wunsch des Heiligen Vaters.

III.
Latein ist eine charmante Kombination aus klassischer, herber Strenge und mediterraner Leichtigkeit. Latein ist schön. Man mag das als Ästhetizismus abtun. Dem halte ich entgegen, dass nicht zufällig das Wahre, Gute und Schöne in einer Reihe aufgezählt werden, nicht das Wahre, Gute und Hässliche.

Ich höre und sehe soviel Hässliches, leider auch in der Liturgie, dass ein moderater Ästhetizismus als Gegengewicht vielleicht nützlich ist. Oder sagen wir: ein Sinn für Ästhetik. aísthesis heißt ja nur sinnliche Wahrnehmung. (Denn sind wir etwa Protestanten?)

IV.
Latein bewahrt mich vor der Illusion, ich würde verstehen, was die liturgischen Texte sagen. Die Wahrheit ist: Ich verstehe nur wenig. In deutscher Sprache fällt das nur nicht so auf.

Und in Zeiten eines imminenten Motu Proprio und einer neuen Lateinbegeisterung allenthalben ist Latein natürlich einfach nur hip. Wann konnte man zuletzt mit Latein ganz vorn dabei sein und sich als Avantgarde fühlen?

Dixít Dóminus Dómino meo

Langjährige Leser wissen vielleicht, dass ich den Rosenkranz seit geraumer Zeit in lateinischer Sprache bete. Dabei hilft mir ein seinerzeit selbstgebasteltes, doppelseitig bedrucktes Blättchen [frisch aktualisiertes PDF hier, beim Kompendium gibt es ein viel besseres Faltblatt]. Mit dieser Hilfe habe ich mittlerweile das Apostolische Glaubensbekenntnis, das Pater noster, das Ave Maria, das Salve regina etc. in Latein auswendig gelernt.

Seit Anfang 2006 benutze ich das große Stundenbuch [hier ein Preisvergleich der lieferbaren Stundenbücher] für mein tägliches Gebet. Die Eröffnung und den Schluss der verschiedenen Horen, einige Hymnen, die Cantica Benedictus und Magnificat sowie das Te Deum bete ich seitdem auch auf Latein.

Zu Beginn der Heiligen Woche brachte die Post ein Paket mit den vier Bänden der Liturgia Horarum, sehr günstig bei Ebay erworben. Sie stammen aus Beständen der offensichtlich aufgelösten Bibliothek des geschlossenen Ordensseminars Geistingen CSsR, das zum Anfang 2006 aufgegebenen Kloster Geistingen gehörte.

Jetzt werde ich nicht auf einen Schlag das gesamte Stundengebet auf Latein verrichten, aber doch so manche Hore. Auch wenn ich natürlich nicht alles auf Anhieb verstehe. Ganz im Gegenteil – die meisten Hymnen zum Beispiel sind ziemlich unverständlich. Und für die Lesungen der Lesehore werde ich wohl beim deutschsprachigen Lektionar bleiben. Auch wenn es natürlich seinen Reiz hat, ex Catechésibus Hierosolymitánis auf Latein zu lesen.